Medi­ka­men­te als Ursa­che von Erek­ti­ons­stö­run­gen

Die Neben­wir­kun­gen eines Medi­ka­ments kön­nen sowohl posi­tiv als auch nega­tiv sein. So wird von man­chen, unter Stress ste­hen­den Herz-Kreis­lauf-Pati­en­ten die beru­hi­gen­de (sedie­ren­de) Neben­wir­kung der Beta­blo­cker als ange­neh­me Zuga­be geschätzt. Im Arz­nei­mit­tel­ge­setz wird aller­dings unter Neben­wir­kung aus­schließ­lich eine gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gung ver­stan­den. Dort steht: “Neben­wir­kun­gen sind die beim bestim­mungs­ge­mä­ßen Gebrauch eines Arz­nei­mit­tels auf­tre­ten­den schäd­li­chen unbe­ab­sich­tig­ten Reak­tio­nen.” In der Fach­li­te­ra­tur wird auch oft der prä­zi­se­re Begriff “uner­wünsch­te Arz­nei­mit­tel­wir­kung” (UAW) benutzt.

Nicht jede gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gung, die in einem zeit­li­chen Zusam­men­hang mit der Anwen­dung eines Medi­ka­ments steht, ist durch das Medi­ka­ment ver­ur­sacht. Die neu auf­ge­tre­te­nen Sym­pto­me kön­nen von der behan­del­ten Krank­heit selbst oder auch von einer neu­en Erkran­kung stam­men. Auch eine Wech­sel­wir­kung des Medi­ka­ments mit ande­ren Arz­nei- oder Lebens­mit­teln kann der Aus­lö­ser sein. In vie­len Fäl­len kann der Zusam­men­hang zwi­schen einer Medi­ka­men­ten­ein­nah­me und einem danach auf­tre­ten­den Pro­blem nicht sicher fest­ge­stellt wer­den. Für eine uner­wünsch­te Arz­nei­mit­tel­wir­kung spre­chen ein enger zeit­li­cher Zusam­men­hang, ein durch den Wirk­me­cha­nis­mus erklär­ba­res Stö­rungs­bild und eine Bes­se­rung der Sym­pto­ma­tik nach Dosis­re­duk­ti­on oder nach Abset­zen des Medi­ka­ments bzw. Wech­sel auf ein ande­res Medi­ka­ment.

Der zeit­li­che Zusam­men­hang zwi­schen Medi­ka­men­ten­ein­nah­me und Neben­wir­kun­gen kann ganz ver­schie­den sein: unmit­tel­bar (z.B. bei einer All­er­gie), nach Stun­den oder Tagen, nach einem lan­gen Zeit­raum (Bei­spiel: Gewichts­zu­nah­me) und sogar erst nach dem Abset­zen. In den letz­ten Jah­ren stell­te sich auch her­aus, dass bei eini­gen Medi­ka­men­ten sexu­el­le Neben­wir­kun­gen wie Ver­lust des sexu­el­len Ver­lan­gens und Erek­ti­ons­stö­run­gen noch lan­ge nach dem Abset­zen anhal­ten kön­nen (Gold­stein 2011).

Vie­le Neben­wir­kun­gen las­sen mit der Zeit nach. Des­halb soll­te man nicht gleich beim Auf­tre­ten von (erträg­li­chen) Neben­wir­kun­gen nach Alter­na­ti­ven suchen, son­dern erst mal abwar­ten, ob nach eini­gen Tagen die Neben­wir­kun­gen an Inten­si­tät ver­lie­ren.

Häu­fig­keit von Neben­wir­kun­gen

Häu­fig­keits­an­ga­be Zahl der Betrof­fe­nen
sehr häu­fig mehr als 1 Behan­del­ter von 10
häu­fig 1 bis 10 Behan­del­te von 100
gele­gent­lich 1 bis 10 Behan­del­te von 1.000
sel­ten 1 bis 10 Behan­del­te von 10.000
sehr sel­ten weni­ger als 1 Behan­del­ter von 10.000

In §84 des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes wer­den die Her­stel­ler von Medi­ka­men­ten für alle bekann­ten Neben­wir­kun­gen (NW) haft­bar gemacht, über die sie nicht aus­rei­chend infor­miert haben. Um sich juris­tisch abzu­si­chern, füh­ren die Phar­ma­fir­men kon­se­quen­ter­wei­se alle mög­li­chen Neben­wir­kun­gen peni­bel im Bei­pack­zet­tel auf, auch sol­che, die extrem sel­ten auf­tre­ten. Beim Lesen der lan­gen Lat­te von mög­li­chen Neben­wir­kun­gen kann die ban­ge Fra­ge auf­kom­men, ob man bei die­sem Medi­ka­ment nicht den Teu­fel durch Beel­ze­bub aus­treibt, vor allem, wenn man die Häu­fig­keits­an­ga­ben (sie­he neben­ste­hen­de Tabel­le) igno­riert. Man­che Pati­en­ten set­zen dann ohne Rück­spra­che mit dem Arzt das Medi­ka­ment ab. Das ist schäd­lich und unbe­grün­det. Dazu ein anschau­li­ches Bei­spiel: In Deutsch­land gibt es jähr­lich etwa 4000 Ver­kehrs­to­te. Bei unge­fähr 80 Mil­lio­nen Ein­woh­nern bedeu­tet dies, dass ein Mensch von 20 000 pro Jahr durch einen Ver­kehrs­un­fall stirbt. Das ent­spricht der Häu­fig­keit einer “sehr sel­te­nen” Neben­wir­kung. Wer ein Medi­ka­ment vor­beu­gend wegen einer sehr sel­te­nen Neben­wir­kung absetzt, han­delt ähn­lich wie jemand, der nicht mehr aus dem Haus geht, um einen töd­li­chen Ver­kehrs­un­fall zu ver­mei­den.

Noce­bo-Effekt

Der Pla­ce­bo-Effekt ist all­ge­mein bekannt. Wenn Pati­en­ten in der Erwar­tung eines wirk­sa­men Medi­ka­ments ein Schein­me­di­ka­ment (Pla­ce­bo) bekom­men, dann erlebt eine beacht­li­che Zahl eine posi­ti­ve Wir­kung. Bei­spiels­wei­se berich­te­ten in den Zulas­sungs­stu­di­en für Via­gra®, Cia­lis® und Levi­tra® zwi­schen 27 und 35% der Stu­di­en­teil­neh­mer, die ein Pla­ce­bo beka­men, von einer deut­li­chen Ver­bes­se­rung der Erek­ti­ons­fä­hig­keit. Der Pla­ce­bo-Effekt kann auch die Wirk­sam­keit ech­ter Medi­ka­men­te erhö­hen.

Der Pla­ce­bo-Effekt hat aller­dings einen weni­ger bekann­ten bösen Bru­der: den Noce­bo-Effekt. Schon das Wis­sen um eine mög­li­che Neben­wir­kung kann dazu füh­ren, dass die Neben­wir­kung tat­säch­lich ein­tritt.

 

Das oben­ste­hen­de Dia­gramm zeigt die Ergeb­nis­se zwei­er Stu­di­en, bei denen die Stu­di­en­teil­neh­mer Beta­blo­cker erhiel­ten. In die ers­te Stu­die (Sil­vestri 2003) wur­den 96 männ­li­che Pati­en­ten (Durch­schnitts­al­ter 52 Jah­re) ohne vor­be­stehen­de erek­ti­le Dys­funk­ti­on (ED) mit Erst­dia­gno­se einer Herz-Kreis­lauf-Erkran­kung ein­ge­schlos­sen (40% hat­ten Blut­hoch­druck, 60% lit­ten an einer koro­na­ren Herz­krank­heit). In der ers­ten Stu­di­en­pha­se erhiel­ten alle Pati­en­ten ein­mal täg­lich 50 mg des Beta­blo­ckers Ateno­lol. Hier­zu wur­den die Pati­en­ten nach dem Zufalls­prin­zip in 3 gleich gro­ße Grup­pen auf­ge­teilt: Grup­pe A erhielt das Medi­ka­ment ohne wei­te­re Infor­ma­tio­nen, die Pati­en­ten aus Grup­pe B wur­de dar­über infor­miert, dass sie einen Beta­blo­cker beka­men, aber nicht über die mög­li­che Neben­wir­kung einer ED, Grup­pe C erhielt zusätz­lich den Hin­weis “kann gele­gent­lich eine Erek­ti­ons­stö­rung aus­lö­sen”. Nach 90 Tagen wur­den mit einem Fra­ge­bo­gen die Kri­te­ri­en einer ED abge­fragt. Die Häu­fig­keit der ED betrug in Grup­pe A 3,1% (1 Teil­neh­mer), in Grup­pe B 15,6% (5 Teil­neh­mer), in Grup­pe C 31,2% (10 Teil­neh­mer). Anschei­nend war eini­gen Teil­neh­mern der Grup­pe B bekannt, dass Beta­blo­cker Erek­ti­ons­stö­run­gen ver­ur­sa­chen kön­nen.

Die zwei­te Stu­die (Coc­co 2009) war ähn­lich auf­ge­baut. Hier wur­den 114 Män­ner mit Blut­hoch­druck, aber ohne ED in 3 Grup­pen auf­ge­teilt und beka­men 60 Tage lang täg­lich 100 mg des Beta­blo­ckers Meto­pro­lol. Die Ergeb­nis­se bei­der Stu­di­en zei­gen eine deut­li­che Über­ein­stim­mung.

Ver­gleich­ba­re Stu­di­en mit ande­ren Medi­ka­men­ten kom­men zu ähn­li­chen Ergeb­nis­sen. Offen­sicht­lich wird das Ein­tref­fen man­cher Neben­wir­kun­gen auch stark von unse­ren Befürch­tun­gen beein­flusst.

Medi­ka­men­te, die Erek­ti­ons­stö­run­gen ver­ur­sa­chen kön­nen

Die Lis­te der Arz­nei­mit­tel, die sexu­el­le Stö­run­gen ver­ur­sa­chen kön­nen, ist lang und wür­de den Rah­men die­ses Arti­kels spren­gen. Des­halb wer­den im Fol­gen­den bei­spiel­haft nur eini­ge häu­fig ver­schrie­be­ne Medi­ka­men­ten­grup­pen behan­delt, die oft mit Sexu­al­stö­run­gen in Ver­bin­dung gebracht wer­den.

Mit­tel gegen Blut­hoch­druck (Anti­hy­per­ten­si­va)

Als ers­te Wahl bei den Mit­teln gegen Blut­hoch­druck gel­ten die fol­gen­den Wirk­stoff­grup­pen: Thia­zid­di­ure­ti­ka, Beta­blo­cker, Kal­zi­um­ant­ago­nis­ten, ACE-Hem­mer und AT1-Ant­ago­nis­ten (ande­re Bezeich­nung: Sar­ta­ne). Die­se Wirk­stof­fe sind nicht belie­big aus­tausch­bar, da sie sich unter­schied­lich gut zur Anwen­dung bei ver­schie­de­nen Beglei­ter­kran­kun­gen eig­nen. So wer­den Beta­blo­cker bevor­zugt bei gleich­zei­tig bestehen­der koro­na­rer Herz­krank­heit, Herz­in­suf­fi­zi­enz und Herz­rhyth­mus­stö­run­gen ein­ge­setzt, soll­ten aber bei vor­lie­gen­dem Asth­ma, Dia­be­tes mel­li­tus und meta­bo­li­schem Syn­drom ver­mie­den wer­den. Thia­zid­di­ure­ti­ka und Beta­blo­cker sind beson­ders dafür bekannt, dass sie sexu­el­le Pro­ble­me ver­ur­sa­chen. Im Gegen­satz dazu haben Stu­di­en gezeigt, dass ver­schie­de­ne Sar­ta­ne die Erek­ti­ons­fä­hig­keit sogar ver­bes­sern kön­nen.

Beta­blo­cker wer­den schon seit über 40 Jah­ren bei Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen ein­ge­setzt. In die­ser Zeit wur­den die­se Medi­ka­men­te natür­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Man unter­schei­det heu­te 3 Genera­tio­nen von Beta­blo­ckern. Beta­blo­cker der 1. Genera­ti­on (Pro­pra­no­lol, Timo­lol, Sota­lol) wer­den bei einem unkom­pli­zier­ten Blut­hoch­druck nicht mehr ein­ge­setzt.

Erek­ti­ons­stö­run­gen bei behan­del­tem Blut­hoch­druck las­sen sich oft nicht ein­deu­tig dem ein­ge­setz­ten Medi­ka­ment zuschrei­ben. Sie kön­nen auch die Fol­ge von Gefäß­schä­di­gun­gen sein, die durch einen lan­ge Zeit unbe­han­del­ten hohen Blut­druck ent­stan­den sind. Außer­dem kann schon allein die Sen­kung des erhöh­ten Blut­drucks auf Nor­mal­wer­te eine ver­rin­ger­te Durch­blu­tung des Penis bewir­ken und dadurch eine unbe­frie­di­gen­de Erek­ti­on ver­ur­sa­chen. Trotz­dem lohnt sich in den meis­ten Fäl­len ein Ver­such mit einem ande­ren Medi­ka­ment. Auch wenn kein Medi­ka­ment mit einer nied­ri­ge­ren Häu­fig­keit der sexu­el­len Neben­wir­kun­gen in Fra­ge kommt, kann doch ein Medi­ka­men­ten­wech­sel sinn­voll sein, da die Häu­fig­keit eine sta­tis­ti­sche Anga­be ist, die nichts über den Ein­zel­fall aus­sagt.

Mit­tel gegen Depres­sio­nen (Anti­de­pres­si­va)

Depres­sio­nen wir­ken sich oft nega­tiv auf die sexu­el­le Lust (Libi­do), die Erek­ti­on und den Orgas­mus aus. Eine wirk­sa­me The­ra­pie der Depres­si­on kann dann auch die sexu­el­len Funk­tio­nen wie­der ver­bes­sern. Lei­der kön­nen aber auch fast alle Anti­de­pres­si­va bei einem hohen Pro­zent­satz der Pati­en­ten sexu­el­le Pro­ble­me ver­ur­sa­chen oder ver­stär­ken. Dies gilt beson­ders für die häu­fig ver­schrie­be­nen selek­ti­ven Sero­to­nin-Wie­der­auf­nah­me­hem­mer (SSRI). In eini­gen Fäl­len haben die Neben­wir­kun­gen der SSRI auch lan­ge nach dem Abset­zen ange­hal­ten (Bahrick 2009).

Vie­le Pati­en­ten set­zen beim Auf­tre­ten von sexu­el­len Neben­wir­kun­gen das Medi­ka­ment ohne Rück­spra­che mit dem Arzt ab. Das kann auf die Dau­er das Pro­blem nur ver­schlim­mern. Bes­ser sind die fol­gen­den Mög­lich­kei­ten (Cohen 2010), die immer unter ärzt­li­cher Auf­sicht durch­ge­führt wer­den soll­ten:

  • Ver­rin­ge­rung der Dosis
  • Abwar­ten. Eine Stu­die hat gezeigt, dass inner­halb der ers­ten 6 Mona­te bei 10% der Pati­en­ten die durch Anti­de­pres­si­va ver­ur­sach­ten sexu­el­len Pro­ble­me kom­plett ver­schwan­den und bei wei­te­ren 11% erheb­lich gerin­ger wur­den.
  • Medi­ka­men­ten­wech­sel. Dazu bie­ten sich Anti­de­pres­si­va an, die wenig sexu­el­le Neben­wir­kun­gen ver­ur­sa­chen, z.B.: Ago­me­la­tin, Bupro­pi­on, Mir­ta­za­pin, Moclo­be­mid.
  • Behand­lung der Sym­pto­me, z.B. mit PDE-5-Hem­mern (Cia­lis®, Levi­tra®, Via­gra®) bei Erek­ti­ons­stö­run­gen.
  • Psy­cho­lo­gi­sche Bera­tung und Psy­cho­the­ra­pie zur bes­se­ren Bewäl­ti­gung der Pro­ble­me.

Mit­tel gegen gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung

Der medi­zi­ni­sche Fach­be­griff für die gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung ist benig­ne Pro­sta­ta­hy­per­pla­sie (BPH). Zur Behand­lung der BPH wer­den haupt­säch­lich soge­nann­te Alpha-Rezep­to­ren­blo­cker (kurz Alpha-Blo­cker) und 5‑Al­pha-Redukta­se-Hem­mer ein­ge­setzt. Alpha-Blo­cker lin­dern inner­halb von Tagen die Sym­pto­me, haben aber kei­ne Wir­kung auf die Pro­sta­ta­grö­ße. Die 5‑Al­pha-Redukta­se-Hem­mer kön­nen dage­gen das Pro­sta­ta­vo­lu­men ver­rin­gern. Oft wer­den bei­de Medi­ka­men­te ein­ge­setzt.

Die Alpha-Blo­cker Doxazo­sin und Tera­zo­sin wur­den ursprüng­lich zur Behand­lung des Blut­hoch­drucks ein­ge­setzt. Die Alpha-Blo­cker Alfu­zo­sin und Tam­su­lo­sin wur­den spe­zi­ell zur Behand­lung der BPH ent­wi­ckelt, haben aber auch eine blut­druck­sen­ken­de Wir­kung. PDE5-Hem­mer (Cia­lis®, Levi­tra®, Spe­dra®, Via­gra®) kön­nen die blut­druck­sen­ken­de Wir­kung von Alpha-Blo­ckern erhö­hen und zu Schwin­del und Benom­men­heit füh­ren. Des­halb soll­te man als Ein­stiegs­do­sis bei Cia­lis® und Levi­tra® 10 mg und bei Via­gra® 25 mg wäh­len. Bei unzu­rei­chen­der Wir­kung und guter Ver­träg­lich­keit kann dann die Dosis erhöht wer­den. Sinn­voll ist auch ein zeit­li­cher Abstand von mehr als 6 Stun­den zwi­schen der Ein­nah­me der bei­den Medi­ka­men­te. Im Gegen­satz zu Doxazo­sin und Tera­zo­sin haben Alfu­zo­sin und Tam­su­lo­sin kei­ne nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Erek­ti­on und Libi­do. Alpha-Blo­cker kön­nen die beim Orgas­mus aus­ge­sto­ße­ne Samen­flüs­sig­keit ver­rin­gern. Die­ser Effekt ist bei Tam­su­lo­sin am stärks­ten und tritt bei Alfu­zo­sin nicht auf.

Die haupt­säch­lich ver­schrie­be­nen 5‑Al­pha-Redukta­se-Hem­mer Finaster­id und Dutas­ter­id kön­nen oft Erek­ti­ons­stö­run­gen, Libi­do­ver­lust, Eja­ku­la­ti­ons­stö­run­gen und eine Ver­grö­ße­rung der Brust­drü­sen her­vor­ru­fen. Bei einem Teil der Pati­en­ten blei­ben Erek­ti­ons­stö­run­gen und Libi­do­ver­lust auch noch lan­ge nach dem Abset­zen bestehen (Traish 2011).

Finaster­id wird auch in gerin­ge­rer Dosis (1 mg) als Mit­tel gegen Haar­aus­fall ein­ge­setzt. Auch dabei kön­nen die lang anhal­ten­den sexu­el­len Neben­wir­kun­gen auf­tre­ten (Irwig 2011).

Mehr­fach­me­di­ka­ti­on

Ein beson­de­res Pro­blem stellt die gleich­zei­ti­ge Ein­nah­me von meh­re­ren Medi­ka­men­ten dar. Die ein­zel­nen Medi­ka­men­te kön­nen sich gegen­sei­tig ver­stär­ken oder unwirk­sam machen. Die mög­li­chen Wech­sel­wir­kun­gen wer­den mit stei­gen­der Anzahl der Medi­ka­men­te schnell unüber­sicht­lich. Bei 2 Medi­ka­men­ten gibt es nur eine mög­li­che Wech­sel­wir­kung, bei 6 Medi­ka­men­ten sind es bereits 15 mög­li­che Wech­sel­wir­kun­gen. Es ist daher unbe­dingt erfor­der­lich, dass in regel­mä­ßi­gen Abstän­den geprüft wird, ob wirk­lich alle Medi­ka­men­te noch not­wen­dig sind.

In einer Stu­die mit rund 38.000 Män­nern im Alter zwi­schen 45 und 69 Jah­ren hat­te die Hälf­te der Män­ner, die bis zu 2 Medi­ka­men­te ein­nah­men, nie Erek­ti­ons­stö­rung. Bei drei bis fünf Medi­ka­men­ten waren es noch 43%, bei sechs bis neun Arz­nei­en 35%, und bei zehn und mehr Mit­teln nur noch 24% Erek­ti­ons­pro­ble­me. Auch unter Berück­sich­ti­gung der beglei­ten­den Krank­hei­ten ergab sich allein durch die vie­len Medi­ka­men­te ein erhöh­tes Risi­ko für Erek­ti­ons­stö­run­gen (Lon­do­no 2012).

Fazit: Tipps zur Scha­dens­be­gren­zung

  • Zei­gen Sie dem Noce­bo-Effekt die kal­te Schul­ter!
    Eine ängst­li­che Beschäf­ti­gung mit mög­li­chen Neben­wir­kun­gen macht die­se nur wahr­schein­li­cher. Aber das ist nur die eine Sei­te der Medail­le. Posi­ti­ve Gedan­ken kön­nen gesund­heits­för­dernd sein. Des­halb ist es wich­tig, den nega­ti­ven Gedan­ken kei­nen Raum zu geben und sie durch posi­ti­ve zu erset­zen. Viel­leicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich ein oder meh­re­re erreich­ba­re gesund­heit­li­che Zie­le set­zen (z.B. ein paar Kilo abneh­men, mehr Bewe­gung, auf­hö­ren zu rau­chen, Alko­hol­kon­sum ein­schrän­ken, gesün­de­re Ernäh­rung) und sich aus­ma­len, was Ihnen nach dem Errei­chen der Zie­le auf­grund ihrer ver­bes­ser­ten Kon­di­ti­on wie­der mög­lich ist.
  • Set­zen Sie ein Medi­ka­ment nicht ohne Rück­spra­che mit dem Arzt ab!
    Das Abset­zen eines Medi­ka­ments zur Ver­mei­dung einer Neben­wir­kung ist nicht hilf­reich. Dadurch kann die Krank­heit, die mit dem Medi­ka­ment bekämpft wer­den soll, sich unge­stört wei­ter ent­wi­ckeln. Außer­dem gibt es eini­ge Medi­ka­men­te, die nach abrup­tem Abset­zen zu gefähr­li­chen Abset­zer­schei­nun­gen füh­ren kön­nen. Bei Beta­blo­ckern kann dadurch z.B. der Blut­druck schnell anstei­gen und das Risi­ko für einen Herz­in­farkt oder plötz­li­chen Herz­tod stark erhöht wer­den.
  • Über­prü­fen Sie mit Ihrem Haus­arzt regel­mä­ßig die Not­wen­dig­keit aller Arz­nei­en
    Wenn Sie mehr als 3 Medi­ka­men­te dau­ernd ein­neh­men, dann lohnt es sich, mit dem Haus­arzt die Not­wen­dig­keit der Medi­ka­men­te in regel­mä­ßi­gen Abstän­den zu über­prü­fen. Even­tu­ell kön­nen ein­zel­ne Medi­ka­men­te pro­be­wei­se abge­setzt wer­den oder die Dosis kann redu­ziert wer­den. Viel­leicht erge­ben sich dabei auch mög­li­che Ände­run­gen des Lebens­stils, die mit­tel­fris­tig das Medi­ka­ment über­flüs­sig machen kön­nen.
  • Reden Sie mit Ihrem Arzt über einen Medi­ka­men­ten­wech­sel.
    Falls Sie den Ver­dacht haben, dass eines Ihrer Medi­ka­men­te für Sie inak­zep­ta­ble Neben­wir­kun­gen zeigt, dann spre­chen Sie Ihren Arzt dar­auf an. Wenn der Arzt das Medi­ka­ment als Ursa­che bestä­tigt, dann ist in vie­len Fäl­len ein Wech­sel zu einem ande­ren Medi­ka­ment mög­lich. Falls für die behan­del­te Krank­heit meh­re­re Wirk­stoff­grup­pen zur Ver­fü­gung ste­hen, dann emp­fiehlt es sich natür­lich, ein Medi­ka­ment aus einer ande­ren Wirk­stoff­grup­pe zu wäh­len. Wenn z.B. ein nur zur Blut­druck­sen­kung ein­ge­setz­ter Beta­blo­cker Pro­ble­me ver­ur­sacht, dann wäre ein Ver­such mit einem Sar­tan sinn­voll.
  • Reden Sie mit Ihrem Arzt über eine Behand­lung der Sexu­al­stö­rung, falls ein Medi­ka­men­ten­wech­sel nicht mög­lich ist oder nichts bringt.
    Es gibt Fäl­le, in denen ein Medi­ka­men­ten­wech­sel aus Man­gel an Alter­na­ti­ven nicht mög­lich ist. Auch wenn es ursprüng­lich sehr lan­ge gedau­ert hat, bis end­lich ein wirk­sa­mes Medi­ka­ment oder eine wirk­sa­me Kom­bi­na­ti­on von Medi­ka­men­ten gefun­den wur­de, dann wird der Arzt even­tu­ell von einem Medi­ka­men­ten­wech­sel abra­ten. Natür­lich kann auch mit ande­ren Medi­ka­men­ten das Pro­blem wie­der auf­tau­chen. In die­sen Fäl­len kann eine direk­te Behand­lung der Sexu­al­stö­rung das Pro­blem lösen. Für Erek­ti­ons­stö­run­gen exis­tie­ren z.B. meh­re­re hoch­wirk­sa­me Behand­lungs­mög­lich­kei­ten, die prak­tisch jedem Mann wie­der zu einer Erek­ti­on ver­hel­fen kön­nen.
  • Ver­ges­sen Sie nicht: Erek­ti­ons­stö­run­gen müs­sen nie­mals das Ende einer befrie­di­gen­den Sexua­li­tät sein.
    Sexua­li­tät ist die schöns­te und inten­sivs­te Mög­lich­keit, sich Nähe, Akzep­tanz und Zunei­gung zu zei­gen, und kann in jedem Alter viel Lebens­freu­de schen­ken. Des­halb lohnt es sich, beim Auf­tre­ten von sexu­el­len Pro­ble­men nach Aus­we­gen zu suchen. Das kann ein Medi­ka­men­ten­wech­sel, die direk­te Behand­lung der Sexu­al­stö­rung oder ein Aus­wei­chen auf Spiel­ar­ten der Sexua­li­tät sein, die trotz der Ein­schrän­kung noch mög­lich sind.

Lite­ra­tur

  • Bahrick, Audrey S; Har­ris, Mark M (2009):
    Sexu­al Side Effects of Anti­de­pres­sant Medi­ca­ti­ons: An Infor­med Con­sent Accoun­ta­bi­li­ty Gap.
    Jour­nal of Con­tem­pora­ry Psy­cho­the­ra­py, Volu­me 39, Num­ber 2, Pages 135–143.
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    Erec­ti­le Dys­func­tion after The­ra­py with Meto­pro­lol: The Haw­thor­ne Effect.
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    Report of erec­ti­le dys­func­tion after the­ra­py with beta-blo­ckers is rela­ted to pati­ent know­ledge of side effects and is rever­sed by pla­ce­bo.
    Euro­pean Heart Jour­nal, Volu­me 24, Pages 1928–1932.
  • Traish, Abdul­m­aged M; Hassa­ni, John; Guay, And­re T; Zitz­mann, Micha­el; Han­sen, Micha­el L (2011):
    Adver­se Side Effects of 5a-Reduc­ta­se Inhi­bi­tors The­ra­py: Per­sis­tent Dimi­nis­hed Libi­do and Erec­ti­le Dys­func­tion and Depres­si­on in a Sub­set of Pati­ents.
    Jour­nal of Sexu­al Medi­ci­ne, Volu­me 8, Issue 3, pages 872–884.

Die­se Sei­te wur­de von Nicht-Medi­zi­nern erstellt. Die Autoren haben dazu sorg­fäl­ti­ge Recher­chen durch­ge­führt. Die Infor­ma­tio­nen auf die­ser Sei­te sol­len Ihnen bei der Vor­be­rei­tung eines Arzt­be­suchs hel­fen und das Gespräch mit dem Arzt erleich­tern. Sie kön­nen kei­nes­falls das Gespräch mit dem Arzt erset­zen!