Erleb­nis­be­rich­te

Eine Geschich­te mit Hap­py End

Heu­te, wo ich mei­ne Geschich­te mal auf­schrei­be, um Ande­ren viel­leicht Mut zu machen, bin ich 44 Jah­re alt. Bis vor Kur­zem hat­te ich mehr als ein Jahr­zehnt kei­nen rich­ti­gen Geschlechts­ver­kehr und kein nor­ma­les Sexu­al­le­ben mehr, weil ich mich mit Fata­lis­mus in mein Schick­sal erge­ben und dies­be­züg­lich kom­plett zurück­ge­zo­gen hat­te. Und auch wie im Mär­chen glaub­te, even­tu­ell mal eine Part­ne­rin zu fin­den, der der rei­ne Sex nicht so wich­tig ist. Was aber natür­lich, weil wir nicht im Mär­chen leben, nicht ein­ge­tre­ten ist.

Ich ver­su­che mal, etwas der Rei­he nach zu erzäh­len, wie sich alles ent­wi­ckelt hatte:

Fan­ge mal 1994 an, da war ich 26 Jah­re alt und hat­te ein nor­ma­les Sexu­al­le­ben wie alle ande­ren auch. Damals lern­te ich mei­ne spä­te­re Frau ken­nen, sie war damals 17 und im Rausch der Ver­liebt­heit hat­ten wir natür­lich viel und regel­mä­ßig Sex. Nach etwa zwei Jah­ren hat­te ich zum ers­ten Mal Erek­ti­ons­pro­ble­me. Da wir aber damals viel gefei­ert haben, schob ich es jeweils auf den Alko­hol­ge­nuss. Trotz­dem gab es ers­te Pha­sen, in denen ich im Kopf vor dem Sex die­se Gedan­ken hat­te, die da nicht hin gehö­ren: Wird es heu­te klap­pen? Schon am Mor­gen hat­te ich sol­che Gedan­ken in Erwar­tung des Abends.

Und es kam, wie es kom­men muss­te: wie­der­holt kam es zum Ver­sa­gen, was dann nur noch mehr Kopf­ki­no ver­ur­sach­te. Mei­ne Freun­din war jedoch sehr ver­ständ­nis­voll und hat kei­ner­lei Druck gemacht des­we­gen, der Druck kam von mir sel­ber. Habe damals dann einen Uro­lo­gen auf­ge­sucht, der mir in Anbe­tracht mei­nes Alters erst nicht wirk­lich glau­ben woll­te, zumal damals eine Unter­su­chung kei­ne orga­ni­schen Ursa­chen ergab. So bekam ich mein ers­tes Via­gra-Rezept, aller­dings ohne erfolg­rei­che Resultate.

Es folg­ten län­ge­re Pha­sen ohne vagi­na­len Geschlechts­ver­kehr; wir hat­ten nur noch gegen­sei­ti­gen ora­len Sex, was natür­lich auch Sex ist, aber eben nicht das Glei­che wie “nor­mal”. Trotz aller Pro­ble­me haben wir aber 1998, an mei­nem 30. Geburts­tag, gehei­ra­tet. Ganz sel­ten funk­tio­nier­te noch mit viel Glück eine Pene­tra­ti­on, in der Regel aber blieb es bei gegen­sei­ti­ger Mas­tur­ba­ti­on und der Sex beschränk­te sich auf ein­mal in der Woche, obwohl mei­ne Frau mir deut­lich zeig­te, dass ihre Bedürf­nis­se damit nicht (mehr) befrie­digt werden.

Zu die­ser Zeit hat­te ich mich bereits in Fata­lis­mus geflüch­tet und mich irgend­wie damit abge­fun­den, dass es bei mir eben nicht mehr rich­tig klappt. Da ich aber eine ansons­ten glück­li­che Bezie­hung führ­te, hielt sich das gesam­te Pro­blem ver­gleichs­wei­se noch im Rah­men und war gut zu verdrängen.

Ende 2000 jedoch gab es ers­te Schwie­rig­kei­ten in unse­rer Ehe, weil (was ich damals aber noch nicht wuss­te) mei­ne Frau eine Affä­re begon­nen hat­te. Im Novem­ber 2000 hat­ten wir noch mal vagi­na­len Geschlechts­ver­kehr. Kann mich gut dar­an erin­nern, weil es a) ja nur noch sel­ten über­haupt klapp­te und b) dabei meine/unsere Toch­ter gezeugt wur­de. Trotz Schwan­ger­schaft haben wir uns dann getrennt und wur­den zwei Jah­re spä­ter glück­lich geschie­den und ver­ste­hen uns heu­te auch noch gut. Unse­re Toch­ter ist heu­te 11,5 Jah­re alt.

Auf­ge­schrie­ben habe ich dies so aus­führ­lich, um mal fest­zu­hal­ten, dass 11/2000 mein letz­ter vagi­na­ler Ver­kehr statt­ge­fun­den hat­te, ich war damals 32 Jah­re alt.

Es folg­te eine Pha­se der Fin­dung und per­sön­li­chen Ent­wick­lung als Sin­gle. Kon­takt zu Frau­en hat­te ich zwar, aber kei­nen sexu­el­len. Mein Bezie­hungs­le­ben bestand aus einer sehr guten Freund­schaft zu einer Frau und wir ver­brach­ten fast drei Jah­re in einer pla­to­ni­schen Bezie­hung ohne Sex, nicht mal mit Küs­sen. Die­se Bezie­hung ende­te, als sie sich in einen Ande­ren ver­lieb­te und mit die­sem Mann zusam­men zog (und ihn spä­ter auch heiratete).

Ein ein­zi­ges Mal kam es in den drei Jah­ren zu einem One-Night-Stand mit einer Bekann­ten im Rah­men des Mög­li­chen, jedoch ohne Pene­tra­ti­on. Durch mei­ne pla­to­ni­sche Freun­din bestärkt, woll­te ich nach Jah­ren des Fata­lis­mus aber mein Erek­ti­ons­pro­blem noch mal medi­zi­nisch neu angehen.

Bin pri­vat ver­si­chert und somit ist man ger­ne gese­he­ner Pati­ent bei den Uro­lo­gen. Es begann eine klei­ne Ärz­te-Odys­see und ich wur­de medi­ka­men­tös ver­sorgt. Pro­blem war nur, dass ich ja gar kei­ne Part­ne­rin hat­te, mit der ich aus­pro­bie­ren konn­te, ob die Medi­ka­men­te hel­fen. Aber auch im Selbst­ver­such zeig­te sich rasch, dass eine Erek­ti­on kaum auf­zu­bau­en ist und wenn, dann ganz schnell wie­der ver­geht. Auch ein Ver­such mit SKAT (Caver­ject Impuls) ver­lief erfolg­los. Damals bekam ich zum ers­ten Mal dann die Dia­gno­se ED orga­nisch, obwohl die wah­re Ursa­che dafür unklar blieb.

Mit wenig Empa­thie sag­te mein dama­li­ger Arzt zu mir, es sei wohl rich­tig “Schei­ße, wenn man das Ding nur noch zum Pis­sen gebrau­chen kann …” Ich war erschüt­tert und mein Selbst­wert­ge­fühl am Boden, so dass ich zunächst wie­der mal auf­gab und kei­ne wei­te­ren Ärz­te kon­sul­tier­te. Außer­dem dach­te ich ja auch (noch), mal eine Part­ne­rin zu fin­den, der Sex nicht alles ist und die eine Bezie­hung auch “so” leben würde.

Par­al­lel, das ist wich­tig zu erwäh­nen, bekam ich eine Auto­im­mun­krank­heit unkla­rer Gene­se, die sich durch stän­di­ge hef­ti­ge Throm­bo­ph­le­bi­tis und auch eine tie­fe Bein­ven­en­throm­bo­se zeig­te und mani­fes­tier­te. Im Rah­men der Ursa­chen­for­schung war ich an einer Kli­nik für Dia­gnos­tik, wo ich kom­plett durch­un­ter­sucht wur­de. Ganz neben­bei erhielt ich hier die Dia­gno­se “Indu­ra­tio penis plasti­ca” und den Ver­dacht auf eine Keloid­bil­dung in den Schwell­kör­pern mit rheu­ma­ti­scher Grund­pro­ble­ma­tik. Die Ursa­che der Auto­im­mun­erkran­kung liegt bis heu­te im Verborgenen.

Nach lan­ger “Absti­nenz” lern­te ich 2006 eine Frau mal wie­der ken­nen und lie­ben. Sie war sexu­ell sehr aktiv. Ich habe ihr gleich zu Anfang mei­ne Erek­ti­ons­pro­ble­me offen­bart und dies hat­te zunächst zwei Vorteile.

Einer­seits woll­te sie kei­nen Sex mit Kon­dom aber einen HIV-Test, der damals beim Gesund­heits­amt ca. zwei Wochen dau­er­te. So gab es guten Grund, zunächst mal “nur” Sex ohne Pene­tra­ti­on zu haben und der war trotz­dem aus­gie­big und erfül­lend (zumin­dest für mich). Außer­dem war sie Bor­der­li­ne­rin und als sol­che in Psy­cho­the­ra­pie und berich­te­te ihrer Ver­hal­tens­the­ra­peu­tin von mir. Über sie und um mich mei­nen Pro­ble­men mal wie­der zu stel­len, begann ich mit pro­ba­to­ri­schen Sit­zun­gen bei der glei­chen The­ra­peu­tin mit Ziel­rich­tung Sexu­althe­ra­pie. Par­al­lel habe ich auch mal wie­der einen Uro­lo­gen auf­ge­sucht und, da alle medi­ka­men­tö­sen Ver­su­che ja bereits erfolg­los ver­lie­fen, bekam ich eine Vaku­um-Penis­pum­pe ver­schrie­ben bzw. muss­te die­se teu­er kaufen.

Mei­ne Freun­din fuhr dann wegen ihrer Bor­der­line-Stö­rung zur Kur, wo ich sie besuch­te. Bis dahin hat­ten wir viel Sex, aber ohne Pene­tra­ti­on. Mit der Pum­pe hat­te ich geübt und gegen­sei­tig hat­ten wir uns ange­sta­chelt und aus­ge­malt, an dem einen Abend end­lich rich­tig und aus­gie­big Sex zu haben. Da ich offen bin, habe ich ihr dann am Bett die Pum­pe und ihre Hand­ha­bung gezeigt, was aller­dings nicht wirk­lich ero­tisch wirk­te. Zum “Show­down” war bereits Gleit­creme not­wen­dig, weil ohne ein Ein­drin­gen nicht mög­lich war. Und ja, “er” war dann nach vie­len Jah­ren mal wie­der rich­tig drin, aber: Mei­ne Freun­din war nicht erregt und ich kam nach nicht mal einer Minu­te. Die gan­ze Situa­ti­on war ernied­ri­gend für mich und ich bekam durch ihre Reak­tio­nen mit, dass auch rein gar nichts ok war.

Die­se gesam­te Gemenge­la­ge, ins­be­son­de­re die Plei­te mit der Pum­pe und die Zurück­wei­sung danach hat­te zur Fol­ge, dass ich eine Angst- und Panik­stö­rung ent­wi­ckel­te. Will das hier nicht wei­ter aus­füh­ren; wer das The­ma kennt, kann erah­nen, was es für Fol­gen hat­te. Zu mei­nem Glück wur­de die­se Sache unmit­tel­bar, und zwar im Rah­men der pro­ba­to­ri­schen Sit­zun­gen bei der Ver­hal­tens­the­ra­peu­tin, rich­tig dia­gnos­ti­ziert, so dass ich sehr schnell pro­fes­sio­nel­le Hil­fe bekam. Trotz­dem dau­er­te es ein Jahr The­ra­pie und wei­te­re drei Jah­re, ehe das The­ma Angst und Panik in mei­nem Leben nicht mehr die domi­nie­ren­de Rol­le spielt.

Unmit­tel­bar nach Rück­kehr aus der Kur ende­te dann die Bezie­hung und auf Arbeit lern­te ich eine 19jährige Azu­bi ken­nen und wir wur­den schnell ein Paar. Aller­dings auch nur für kur­ze Zeit. Ihre sexu­el­len Bedürf­nis­se konn­te ich zu kei­nem Zeit­punkt erfül­len. Trotz der vor­he­ri­gen Plei­te mit der Pum­pe ver­such­te ich man­gels Alter­na­ti­ven auch mit ihr noch mal die­ses Instru­ment, aber auch da ende­te es im Fias­ko. Die Bezie­hung war schnell zu Ende.

Ab da habe ich mich sexu­ell fast kom­plett zurück gezo­gen, auch, um nicht dau­ernd see­lisch ver­letzt zu wer­den. Es folg­ten JAHRE mit extrem weni­gen Sexu­al­kon­tak­ten, obwohl es an Gele­gen­hei­ten grund­sätz­lich nicht man­gel­te aber ich habe mich auf fast nichts eingelassen.

Aus­nah­men: Regel­mä­ßi­ge jähr­li­che Eska­pa­den mit einer Kol­le­gin nach den Weih­nachts­fei­ern, aber ohne Pene­tra­ti­on. Ihr gegen­über habe ich immer alles auf den Alko­hol gescho­ben und sie war es zufrie­den, jeden­falls hat sie nie was gesagt und es kam ja trotz­dem zu Wie­der­ho­lun­gen. Dann ein­mal eine Epi­so­de an mei­nem 40. Geburts­tag mit einer ande­ren Kol­le­gin, aber auch ohne vagi­na­len Verkehr.

DAS WARS bis 2012! Und ich war gera­de mal Anfang 40! Und ansons­ten gut in Form, lau­fe Mara­thon! Und: trotz ED war natür­lich die gan­ze Zeit das sexu­el­le Bedürf­nis nicht ver­schwun­den; ich muss­te es allein am PC befrie­di­gen und has­se die­ses Bild, mich allein am PC ona­nie­ren zu sehen; das passt mit mei­nem Selbst­bild nicht zusam­men. Nicht, weil ich es mora­lisch anstö­ßig fän­de, son­dern weil es letzt­lich ein Zeug­nis von Ein­sam­keit ist, die man sich sonst nicht ger­ne eingesteht.

So, nun war also 2012 und ich begann im April eine Affä­re mit einer 28jährigen Frau. Wir hat­ten tabu­lo­sen und abso­lut tol­len Sex aber lei­der eben auch wie­der ohne vagi­na­le Pene­tra­ti­on. Im bes­ten Fall war ein ganz kur­zes Ein­füh­ren des nicht ganz eri­gier­ten Penis mög­lich, was natür­lich nicht für erfül­len­de sexu­el­le Akti­vi­tä­ten genüg­te. In lan­gen Gesprä­chen ermu­tig­te sie mich, noch mal einen wei­te­ren Ver­such zu wagen, mein Pro­blem zu lösen.

Mir war klar, dass es ohne­hin nur noch eine ein­zi­ge Lösung geben konn­te: ein Penis­im­plan­tat. Das wuss­te ich schon lan­ge, war aber immer über Inter­net­re­cher­chen nicht hin­aus gegan­gen, weil mich der Gedan­ke an eine sol­che OP und deren Kos­ten abschreck­te. Im Rausch der neu­en Bezie­hung aller­dings gab ich mir einen Ruck und such­te eine Uro­lo­gi­sche Sprech­stun­de eines Pro­fes­sors an einer Uni­ver­si­täts­kli­nik auf, das war im Mai. Das Gespräch mit ihm dau­er­te nur eine vier­tel Stun­de und nach der Ana­mne­se sag­te er, ich sei der Para­de­fall für ein Penis­im­plan­tat und ob wir schon mal einen OP-Ter­min machen woll­ten. Da konn­te ich aber noch nicht so schnell zusa­gen und erbat mir etwas Bedenkzeit.

Dank mei­ner neu­en Bekann­ten hat­te ich mich aber grund­sätz­lich ent­schlos­sen, die­sen Schritt zu gehen. Habe Kon­takt mit mei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung auf­ge­nom­men und mei­ner Bei­hil­fe­stel­le. Die Bei­hil­fe hat eine Kos­ten­zu­sa­ge schnell erteilt, mit der PKV muss­te ich bis zuletzt und sogar bis nach dem OP-Ter­min noch rin­gen, aber letzt­lich wur­de alles kom­plett über­nom­men, habe nichts sel­ber zah­len müssen.

Ende Juni war es dann soweit, dass ich mir einen OP-Ter­min besorgt habe. Ter­min: 16.08.2012. Die­ses Datum wer­de ich NIE vergessen!

Der Sex mit mei­ner Affä­re war zu die­ser Zeit schon wie­der abge­flaut, da sie sexu­ell sehr for­dernd war und ich das alles nicht so leis­ten konn­te. Trotz­dem unter­stütz­te sie mich mora­lisch wei­ter und nahm mir auch das defi­ni­ti­ve Ver­spre­chen ab, die Ers­te sein zu dür­fen, die nach der OP die neue Errun­gen­schaft aus­pro­bie­ren dür­fe. Die­ses Ver­spre­chen gab ich natür­lich ger­ne und hat­te damit auch ein wich­ti­ges Ziel, näm­lich dann end­lich “rich­ti­gen” und erfül­len­den Sex mit mei­ner Affä­re haben zu können.

Über die­ses Por­tal bekam ich auf Anfra­ge Mail­kon­takt zu Män­nern, die die­se OP bereits hin­ter sich haben. Das war eine ganz wich­ti­ge Hil­fe­stel­lung für mich! Ich konn­te alle mei­ne Fra­gen stel­len, wie es mit Schmer­zen nach der OP und dem Hei­lungs­ver­lauf sei und sowie­so mit der Hand­ha­bung und Zufrie­den­heit mit dem Penis­im­plan­tat. Habe bestimmt auch ganz dum­me Fra­gen gestellt, aber sämt­li­che Fra­gen wur­den immer super schnell, freund­lich und aus­führ­lich beant­wor­tet, wofür ich mich hier an die­ser Stel­le auch noch­mals aus­drück­lich bedan­ken möchte.

Am 16.08.2012 war mei­ne OP und nach dem Auf­wa­chen war mei­ne Affä­re bei mir am Bett. Dank aus­ge­feil­ten Schmerz­ma­nage­ments waren die Schmer­zen ins­ge­samt abso­lut erträg­lich, nur der Bla­sen­ka­the­ter war sehr unan­ge­nehm und ich ließ ihn an Tag zwei gleich wie­der zie­hen. Bereits am Tag nach der OP konn­te ich schon ers­te Schrit­te machen und nach fünf Tagen nach Hau­se ent­las­sen werden.

Ach ja: Mein Ope­ra­teur teil­te mir mit, dass es wegen Fibro­sen und Plaques in den Schwell­kör­pern sehr schwie­rig war, Platz für das Penis­im­plan­tat zu schaf­fen. Die Fibro­se war so aus­ge­prägt, dass es nur ein Jahr spä­ter zu spät gewe­sen wäre für eine sol­che OP! Was für ein Glück ich hat­te, dass es noch im letz­ten Moment gemacht wur­de!!!! Wegen der fort­ge­schrit­te­nen Fibro­se gelang es nicht, das Penis­im­plan­tat regel­ge­recht bis ganz nach oben in den Bereich der Eichel zu implan­tie­ren. Das Implan­tat endet etwa 2 cm dar­un­ter, so dass die Eichel sehr bieg­sam ist.

Nach der Ent­las­sung nach Hau­se habe ich sofort mei­nen Uro­lo­gen auf­ge­sucht, der aber unum­wun­den zugab, gar kei­ne Ahnung von Penis­im­plan­ta­ten zu haben, aber ger­ne den Ver­bands­wech­sel über­neh­men wür­de. Zum Glück sind kei­ne der mög­li­chen Kom­pli­ka­tio­nen ein­ge­tre­ten, außer dass die Wund­hei­lung an dem Schnitt im Hoden­sack sehr ver­zö­gert war und sechs Wochen dau­er­te. Zwar waren die sechs Wochen Hei­lungs­pha­se sehr anstren­gend und es ging nicht so schnell vor­an, wie erhofft, aber auch da stan­den mir die “Paten” per Mail immer wie­der mit Rat­schlä­gen zur Sei­te und konn­ten mir mei­ne Befürch­tun­gen neh­men, dass bei mir etwas nicht nor­mal ver­lau­fen wür­de. Gera­de in der ers­ten Zeit, wo man nicht rich­tig gehen, lie­gen oder ste­hen kann, macht man sich sehr Sor­gen, wie wohl alles wer­den wür­de am Ende. Die ers­ten Näch­te habe ich das kom­plet­te implan­tier­te Equip­ment in mei­nem Kör­per regel­recht gespürt, aber es wur­de mit jedem Tag besser.

Wei­te­re Epi­so­de: mein Ope­ra­teur woll­te die Pum­pe für das Penis­im­plan­tat eigent­lich rechts neben die Hoden plat­zie­ren, um die­se gut bedien­bar zu machen. Nach der OP lag die Pum­pe aber zwi­schen bei­den Hoden, mit dem Ablass­knopf nach rechts, der Knopf stößt qua­si gegen den rech­ten Hoden. Erst durch den Mail­kon­takt erfuhr ich, dass es auch bei den Ande­ren so war und eigent­lich nicht unüb­lich ist; mein Ope­ra­teur aber woll­te die Pum­pe, wie gesagt, eigent­lich rechts platzieren.

Obwohl ich bei der Ent­las­sung ermun­tert wur­de, schon mal etwas zu expe­ri­men­tie­ren, waren die Hoden zunächst so ange­schwol­len, dass ich vier Wochen lang über­haupt gar nicht dar­an dach­te, da mal was zu pro­bie­ren. Und durch die Wund­hei­lungs­ver­zö­ge­rung hat­te ich auch noch immer eine offe­ne Wun­de an dem Schnitt im Hoden­sack, so dass ich da sowie­so gar nicht anfas­sen wollte.

Nach fünf Wochen habe ich mich dann aber zum ers­ten Mal getraut, das Penis­im­plan­tat auf­zu­pum­pen und: es ging wun­der­bar! Ich hat­te eine tol­le Erek­ti­on! Und sie hielt natürlich!

Pro­blem: Man­gels Übung konn­te ich den Ablass­knopf nicht fin­den! Leich­te Panik kam schon auf! Trotz Selbst­er­mah­nung zur Ruhe und …zig­fa­chen Ver­su­chen und Tas­ten konn­te ich den ver­damm­ten Knopf nicht finden!

Nach einer sehr schmerz­haf­ten und durch­wach­ten Nacht mit Erek­ti­on tauch­te ich früh mor­gens zu Dienst­be­ginn in der Uni­kli­nik bei mei­nem Ope­ra­teur auf und hat­te Glück, dass er auch da war und sogar Zeit für mich hat­te. Mit einem Griff war das Pro­blem gelöst und er hat mir genau gezeigt, wo der Knopf sich befin­det. Bei der Gele­gen­heit war er sel­ber ange­nehm erstaunt, wie gut die Pum­pe ZWISCHEN den Hoden liegt anstatt rechts dane­ben und fand, dass es so gar nicht auffiele.

Eine Woche spä­ter war mei­ne Abschluss­un­ter­su­chung und die ersehn­te Frei­ga­be für die prak­ti­sche Benut­zung. LEIDER konn­te mei­ne Affä­re, die mich bis dahin wei­ter gut unter­stützt hat­te, nun aber gar nichts Ero­ti­sches mehr an der Sache fin­den (viel­leicht auch wegen der Suche nach dem Knopf bei der Dau­er­erek­ti­on), sag­te es mir aber nicht offen. Und ich woll­te nun nicht so mit der Tür ins Haus fal­len, son­dern auf eine “Gele­gen­heit” war­ten. Die­se bot sich jedoch über Wochen nicht und end­lich kam das Geständ­nis, dass sie es sich “so” nicht mit mir vor­stel­len könne.

Uuuups! War nun also alles umsonst? Immer­hin hat­te ich zu der Zeit letzt­lich fast acht Wochen schon die Frei­ga­be, aber konn­te das Ergeb­nis noch nicht im Echt­be­trieb testen.

Durch die Umstän­de ent­schloss ich mich, in einen Club zu gehen, der ähn­lich einem Swin­ger­club funk­tio­niert. Ich hof­fe, der Leser hat hier an die­ser Stel­le dafür Ver­ständ­nis, abseits mora­li­scher Beden­ken. Für mich war es sehr wich­tig, das Penis­im­plan­tat mal im Echt­be­trieb zu tes­ten! An dem Abend hat­te ich Sex mit meh­re­ren Frau­en (mit Kon­dom natür­lich, falls das hier wich­tig ist) und kei­ne hat etwas gemerkt oder gesagt. Egal ob oral, vagi­nal oder manu­ell sti­mu­liert, es gab kei­ne Probleme.

Und stellt euch jetzt mich vor! Nach mehr als einem Jahr­zehnt ohne regel­rech­te sexu­el­le Akti­vi­tä­ten konn­te ich unge­zwun­gen machen, was ich woll­te und dank Penis­im­plan­tat sogar immer mit der Gewiss­heit, dass “er” steht, so lan­ge ich es nicht durch Knopf­druck anders möch­te!!!! Es war eine erfül­len­de Erfah­rung, die mein Selbst­ver­trau­en und auch mein Selbst­wert­ge­fühl in die­ser Bezie­hung von nahe Null auf fast Hun­dert regel­recht katapultierte.

Sil­ves­ter 2012 habe ich mich an die­ses Jahr als ein ganz, ganz wich­ti­ges in mei­nem Leben erin­nert, das eine wesent­li­che Ent­schei­dung brach­te, die mir Selbst­wert­ge­fühl, Selbst­ver­trau­en, Spaß am Leben wie­der gebracht hat. Und die Erkennt­nis, dass ich viel zu lan­ge mit dem letz­ten Schritt, der OP, gewar­tet habe. Zehn Jah­re befrie­di­gen­den Sex habe ich ver­schwen­det und statt des­sen am PC ver­bracht. Trotz­dem: der rich­ti­ge Zeit­punkt war wohl erst jetzt; Jeder muss das ganz allein für sich sel­ber entscheiden.

Das Penis­im­plan­tat gehört heu­te zu mir und stört nicht. Aller­dings ist es auch im abge­las­se­nen Zustand der­art groß, dass man eine Erek­ti­on ver­mu­ten könn­te. Gehe trotz­dem in die Sau­na und ern­te manch­mal Bli­cke, das ist mir aber egal.

Ganz gro­ßen Dank noch­mals hier an das Por­tal für die wert­vol­le Unter­stüt­zung und die Kon­tak­te, die mir alle mei­ne vie­len Fra­gen so empa­thisch und schnell beant­wor­tet haben und unschätz­ba­re Hil­fe waren in den Zei­ten der Zwei­fel und Unsicherheit.

Wer mei­nem Bericht bis hier zum Ende gele­sen hat, wird Grün­de dafür haben. Ihm wün­sche ich alles Gute und dass mein Bei­spiel Mut gibt, das Leben mit ED zu meis­tern und nicht aufzugeben.

Ich bin wie­der glücklich!

Dies ist ein sehr per­sön­li­cher Bericht über einen wah­ren Hor­ror­trip, den ich in den letz­ten Mona­ten als Fol­ge mei­nes zuvor erlit­te­nen Herz­in­farkts erlebt habe.

Zunächst ver­lief nach mei­nem Herz­in­farkt alles recht posi­tiv. Es war offen­sicht­lich, dass mein Herz kei­ne gra­vie­ren­den, blei­ben­den Schä­den davon­ge­tra­gen hat­te, also schien eine Rück­kehr zum nor­ma­len Leben nur noch eine Fra­ge der Zeit.

Aber zum nor­ma­len Leben gehört eben auch die Sexua­li­tät, und genau das erwies sich als völ­li­ge Plei­te: ich muss­te mit Erschre­cken fest­stel­len, dass nichts mehr ging. Nun hat­te ich im Vor­feld natür­lich schon mit­be­kom­men, dass vie­le Herz-Kreis­lauf­me­di­ka­men­te, ins­be­son­de­re die Beta­blo­cker (aber auch ande­re: ACE-Hem­mer, Cho­le­ste­rin-Sen­ker etc.) eine erek­ti­le Dys­funk­ti­on (ED) ver­ur­sa­chen kön­nen, was auch in den (meis­ten) Bei­pack­zet­teln steht. Aber dass dies auch mich trifft, hat­te ich eigent­lich nicht auf der Rech­nung. Das war der ers­te Schock, wenn auch nicht ganz unvorbereitet.

Also nichts wie hin zum (Haus-)Arzt, das Pro­blem geschil­dert. Der wuss­te nach den ers­ten Andeu­tun­gen sofort, was Sache ist. Das Pro­blem im Zusam­men­hang mit Herz-Kreis­lauf­me­di­ka­men­ten ist offen­bar weit ver­brei­tet. Kurz, ich ließ mir erst ein­mal Cia­lis ver­schrei­ben. Die PDE-5-Hem­mer Cia­lis, Via­gra, Levi­tra sind ja sozu­sa­gen Stan­dard bei der Behand­lung von ED. Doch nun kam der Super­gau: Cia­lis hat­te abso­lut kei­ne Wir­kung. Und da bekam ich ech­te Panik. Gehö­re ich aus­ge­rech­net zu den ca. 30% der Män­ner, die auf PDE-5-Hem­mer nicht reagie­ren, die soge­nann­ten Non-Respon­der? Oder ist die Blo­cka­de so stark, dass nicht mal so was hilft?

Es war so schreck­lich, dass ich es kaum beschrei­ben kann. Es ist ja nicht die Tat­sa­che, jetzt und hier auf Sex ver­zich­ten zu müs­sen, son­dern die Angst davor, dass es nun end­gül­tig aus war mit dem Lie­bes­le­ben: es besteht ja kei­ne Aus­sicht, dass ich die “schul­di­gen” Medi­ka­men­te irgend­wann wie­der los­be­kom­me — sie wer­den mir für den Rest des Lebens erhal­ten blei­ben. Und die Aus­sicht, dass die­ser Rest so trost­los aus­sieht, war das nack­te Grau­en. Ich bekam Knie­zit­tern und habe in den Armen mei­ner Frau geweint wie ein Schloss­hund. Und sicher nicht, weil ich im All­ge­mei­nen ein Weich­ei bin — ich den­ke ich habe in den vie­len Ver­let­zungs- und Krank­heits­pha­sen der letz­ten Jah­re zu Genü­ge bewie­sen, dass dies nicht so ist.

Aber das hier ist schwe­rer zu ertra­gen als phy­si­scher Schmerz, Behin­de­rung und sons­ti­ge Quä­le­rei, denn es zer­stört das Selbst­ver­trau­en und das Selbst­wert­ge­fühl von ganz innen. Ich wür­de sogar so weit gehen, zu sagen: es ist DIE männ­li­che Urangst, ganz tief in den Urinstink­ten ver­an­kert, dage­gen kommt man mit ratio­na­ler Betrach­tung nicht an. Es war klar, dass ich das so nicht aus­hal­ten wür­de, ohne in tie­fe Depres­si­on zu stür­zen. Zum Glück hat­te ich die Unter­stüt­zung und die Lie­be mei­ner Frau, mit der ich auch offen über die Sache reden konn­te — extrem wich­tig! Sie hat mir auch Mut gemacht, nicht auf­zu­ge­ben und mit allen Mit­teln zu ver­su­chen, aus der Mise­re irgend­wie her­aus­zu­kom­men, bzw. eine erträg­li­che Lösung zu finden.

Ich habe also mei­nem Arzt unmiss­ver­ständ­lich klar gemacht, dass ich die­sen Zustand nicht akzep­tie­ren wer­de, zur Not auch durch Abbruch der Medi­ka­ti­on und damit auf Kos­ten eines erhöh­ten Fol­ge-Infarkt-Risi­kos. Zumal ja auch die Wir­kung des aktu­el­len “Rat­ten­gift-Cock­tails” auf den Blut­druck infol­ge des enor­men Lei­dens­drucks wie­der groß­teils zunich­te gemacht wur­de — d.h. noch mehr von dem Teu­fels­zeug, noch mehr Impo­tenz, usw. — ein wah­rer Teu­fels­kreis. Dar­auf­hin begann also eine “Pro­bier­pha­se”: jeweils ca. 2 Wochen ein Mix aus ande­ren Beta­blo­ckern und sons­ti­gen Blut­druck­sen­kern — jeweils genau dar­auf ach­ten, was sich tut, und pro­bie­ren, ob wenigs­tens Via­gra und Co. hilft.

Das zog sich dann so eine Zeit­lang hin — mit teil­wei­se aben­teu­er­li­chen Zustän­den, bei denen der Kreis­lauf kom­plett ver­rückt spiel­te (ohne das ED-Pro­blem zu ver­rin­gern), aber schluss­end­lich ergab sich ein Mix, der zumin­dest kei­ne völ­li­ge Blo­cka­de mehr bewirk­te, und die­se konn­te durch 50 mg Via­gra gelöst wer­den. Eine (ers­te) Erlösung.

Zwi­schen­zeit­lich hat­te ich die Sache auch eini­gen guten Freun­den erzählt — es hat ja kei­nen Sinn, zu behaup­ten, es gehe einem gut, wenn das genaue Gegen­teil der Fall ist. Und sie­he da: es stell­te sich her­aus, dass ich im enge­ren Freun­des­kreis nicht der ein­zi­ge bin, der sich mit so etwas her­um­schlägt, son­dern auch ande­re mehr oder weni­ger stark betrof­fen sind, aus unter­schied­li­chen Grün­den. Die männ­li­che Erek­ti­on ist eben eine sehr kom­pli­zier­te Sache, und wenn an einer Stel­le der kom­ple­xen Ket­te des Zusam­men­spiels von Hormonen/Botenstoffen etwas nicht stimmt, lernt man ganz schnell, wie zer­brech­lich das alles ist. Solan­ge man jung ist, bzw. alles “wie von selbst” geht, macht man sich dar­über kei­ne Gedan­ken (und das ist auch gut so). Und das Bes­te an dem offe­nen Umgang mit dem heik­len The­ma ist – neben dem Trost, dass man nicht allein ist – : Es erge­ben sich auch neue Aspek­te, man bekommt Tipps und per­sön­li­che Erfah­run­gen dar­über, was ande­ren hilft.

Und einer die­ser Tipps erweist sich auch bei mir gera­de so lang­sam als ech­ter Geheim­tipp: Argi­nin — eine natür­li­che Ami­no­säu­re als Nah­rungs­er­gän­zung — kann den Blut­druck sen­ken und für die Anre­gung der NO-Pro­duk­ti­on sor­gen — NO (Stick­stoff­mon­oxid) ist der Aus­gangs­stoff für die Pro­duk­ti­on des Boten­stof­fes cGMP, der eine Erek­ti­on in Gang bringt. Im Prin­zip also genau der Effekt, den auch Via­gra und Co. haben – nur dass die­se den Abbau von cGMP blo­ckie­ren, wohin­ge­gen das Argi­nin ein­fach das NO (und damit cGMP) auf­baut und erst nach län­ge­rer Behand­lung wirkt.

Momen­tan (nach 8 Wochen aus­rei­chen­der Dosis) kann ich ein­deu­tig die­se posi­ti­ve Wir­kung bestä­ti­gen – es gab auch schon wie­der Sex ganz ohne Via­gra … smiley.

Ein wei­te­res Zei­chen für die Wir­kung ist auch die Rück­kehr der nor­ma­ler­wei­se mehr­fach pro Nacht in den REM-Pha­sen des Schlafs auf­tre­ten­den, “auto­ma­ti­schen” Erek­tio­nen und damit auch der soge­nann­ten “Mor­gen­lat­te”. Dies alles war vor­her weg, und zwar voll­stän­dig. Also ist nun wie­der alles auf gutem Weg (wenn auch noch nicht per­fekt) — kurz: ich lebe wie­der, ich bin der Ver­zweif­lung ent­ron­nen – ich bin glücklich.

Wer­ner J.

Befrei­ung

Hal­lo Männer,
ich möch­te Ihnen sagen, wie gut ich Ihre Sei­ten fin­de. Ich war 40 Jah­re ver­hei­ra­tet und habe auch Kin­der bekom­men. Den­noch war mei­ne Ehe, was die Sexua­li­tät betrifft, eine freud­lo­se, pein­li­che, oft krän­ken­de Zeit. Mein Mann fand es sehr “unan­stän­dig”, dass ich sexu­el­le Wün­sche hat­te. Für mich gab es nie­man­den, mit dem ich dar­über spre­chen konn­te. Zeit­schrif­ten, die die­se The­men auf­grif­fen, gab es viel­leicht, wur­den aber nicht gekauft.

Seit eini­gen Jah­ren habe ich einen Freund, der zwar deut­lich jün­ger ist als ich. Aber wir leben sehr glück­lich zusam­men, und ich habe lie­be­vol­le Sexua­li­tät ken­nen­ge­lernt. Es war für mich sehr schwer, mei­ne “Ver­klemmt­heit” zu über­win­den! Ich hat­te jah­re­lang kei­nen Sex. Alles was damit zusam­men­hing, hat­te ich eisern ver­drängt. Inzwi­schen ist es für mei­nen Part­ner sehr trau­rig! Er hat ED. Wir haben aber immer noch Sex, bei dem zumin­dest ich befrie­digt wer­de. Lei­der will er nicht, noch nicht, zum Arzt gehen. Ich fin­de es wun­der­bar, dass ich gelernt habe, mit mei­nem Part­ner sowohl über sei­ne als auch über mei­ne sexu­el­len Pro­ble­me spre­chen zu kön­nen. Ich fin­de es sehr gut, dass die­se Din­ge im Inter­net zu lesen sind. Und wie Sie das machen, fin­de ich ein­fach pri­ma. Mir hat das sehr geholfen!

Heu­te weiß ich, dass vie­le Zan­ke­rei­en in mei­ner Ehe auf unse­rer sexu­el­len Uner­füllt­heit beruh­ten. Denn sicher hat auch mei­nem Mann der Bei­schlaf gefehlt. Ich habe ihn nie ent­blößt gese­hen; aber heu­te weiß ich, dass er von Anfang an ED hat­te oder viel­leicht einen zu klei­nen Penis, und er schäm­te sich; lei­der woll­te er dar­über nicht spre­chen. Und er hat mir streng ver­bo­ten, über “die­se” Din­ge, die ja schon, wenn auch unaus­ge­spro­chen, im Raum stan­den, mit irgend­wem zu spre­chen. Das sei Ehe­bruch etc. Ich habe sehr jung gehei­ra­tet; mei­ne Erzie­hung durch mei­ne Mut­ter ging naht­los auf ihn über.

Einer mei­ner Söh­ne hat mir ein­mal gesagt, dass er nie­mals “mit­ge­kriegt” hat, dass oder ob sich sei­ne Eltern lieb­ten. Unse­re Ehe sei völ­lig unero­tisch gewesen.

Viel­leicht liest ein “hilfs­be­dürf­ti­ger” Mann, wie wich­tig Offen­heit ist. Und wie sehr eine Frau auf offe­ne Wor­te war­tet und wie gern sie bereit ist, zu ver­ste­hen, zu hel­fen und mit ande­ren For­men der Sexua­li­tät klar zu kommen.

Mit freund­li­chen Grüßen
Han­ne­lo­re B. (Name geändert)

Mein Part­ner hat(te) ED

Wie es begann:

Bereits unse­re ers­te “Annä­he­rung” schei­ter­te. Es war ein star­kes Ver­lan­gen da, was aller­dings nicht “umge­setzt” wer­den konn­te. Er kann­te dies aus sei­nen Ex-Bezie­hun­gen, die ers­ten Wochen kam es wohl immer mal vor. Also haben wir uns nicht viel dabei gedacht und waren der guten Hoff­nung, dass die­se “Pha­se” schnell vergeht.

Aber es wur­de nicht bes­ser. Wochen­lang hoff­ten wir dar­auf, dass “es” end­lich funk­tio­niert, wir mit­ein­an­der schla­fen kön­nen, wir zer­ris­sen uns vor Sehn­sucht nach dem ande­ren. Oft haben wir dar­über gespro­chen und sehr oft haben wir sicher unse­re eige­nen Gedan­ken gehabt.

Ich war immer mehr der fes­ten Über­zeu­gung, dass es nur an mir lie­gen kann, irgend­et­was konn­te an mir/mit mir nicht stim­men. Ich glaub­te ihm nicht, dass er mich begeh­rens­wert fin­det, ich glaub­te ihm nicht, dass es nicht an mir liegt. Die Zwei­fel saßen wie ein Sta­chel ganz tief in mir und ich konn­te sie nicht ent­fer­nen. Ich hör­te ihm zu aber ich dach­te ich höre Lüge .…

Es war so schwer sei­nen Wor­ten glau­ben schen­ken zu kön­nen, mein Kopf war ein Wirr­warr der Gefüh­le und die Zwei­fel an mir sel­ber taten teil­wei­se sogar kör­per­lich weh.

Es war ein Wech­sel­spiel der Gefüh­le wie ich es nie für mög­lich gehal­ten hät­te. Mal war die Hoff­nung und Sehn­sucht da und wir ver­such­ten mit­ein­an­der zu schla­fen, meist aber zog sich jeder zurück und dach­te: “es geht ja eh nicht”.

Ich den­ke, dass ich ihm sicher auch man­ches Mal das Leben schwer mach­te. Manch unnö­ti­ge Bemer­kung hat ihm sicher auch weh­ge­tan, aber es war über­wie­gend mei­ne Ver­zweif­lung, nach Mona­ten konn­te ich nicht glau­ben, dass er mich wirk­lich begehrt, wo doch nichts klappte.

Ich habe oft geweint, habe mich oft gefragt ob das so Sinn macht, habe oft über­legt, ob ich die rich­ti­ge Part­ne­rin für ihn bin. Auch alle Gesprä­che, die sehr offen waren, konn­ten mir nicht wirk­lich hel­fen. Ich kann­te es so nicht und wuss­te auch kei­nen Rat. Da er bei der SB kei­ne Pro­ble­me hat­te war uns auch klar, es kann kei­ne kör­per­li­che Ursa­che haben, aber die see­li­sche konn­ten wir nicht finden.

In den Pha­sen des Mutes, des auf­ein­an­der Zuge­hens haben wir es geschafft, ande­re Wege der gegen­sei­ti­gen kör­per­li­chen Befrie­di­gung zu fin­den, aber letzt­end­lich haben wir doch mehr den Rück­zug ange­tre­ten und uns dabei sicher­lich gegen­sei­tig gequält.

Nach unge­fähr 7 Mona­ten hat­ten wir eine Kri­se, die aller­dings nichts mit der ED zu tun hat­te. Dabei ging es nicht ein­mal um Sexua­li­tät, son­dern um Sor­gen und Zukunfts-Ängs­te in unse­rer Bezie­hung. Andys Leben unter­schied sich extrem zu dem, von mir gewohn­ten Leben und dadurch sprach ich auch bei vie­len Gele­gen­hei­ten von mei­ner vor­he­ri­gen, 15-jäh­ri­gen Bezie­hung (die ich für Andy been­det hat­te). Bei Andy ent­stand der Ein­druck, dass ich mei­ner Ver­gan­gen­heit nach­traue­re (was teil­wei­se sicher auch zutraf, ich aber in mich rein­fraß), dass es da etwas gab, was ich bei ihm ver­mis­se. Das nag­te an ihm, ver­un­si­cher­te ihn. Aber dann wag­te er es, die Situa­ti­on anzu­spre­chen. Und plötz­lich rede­ten wir inten­siv über ein The­ma, das wir vor­her größ­ten­teils aus­ge­klam­mert hat­ten, weil wir auch wuss­ten, dass wir da unter­schied­li­cher Mei­nung waren. Es wur­de kein nüch­ter­nes, sach­li­ches Gespräch, son­dern wir konn­ten uns gegen­sei­tig öff­nen und uns auch von unse­ren Gefüh­le und Ängs­ten erzäh­len. Da erst erfuhr ich, wie sehr sich Andy, auf­grund mei­ner Erzäh­lung aus der Ver­gan­gen­heit, als zwei­te Wahl gefühlt hat. Mir war das nie so bewusst und erst die­ses Gespräch öff­ne­te mir die Augen, zeig­te mir, wie oft ich ihn (unbe­wusst) ver­letzt und wohl auch teil­wei­se gede­mü­tigt habe. Ich habe ver­stan­den, dass es ihm sehr weh­ge­tan hat und habe letzt­end­lich auch ver­stan­den, dass wir nur eine Chan­ce haben, wenn ich die Ver­gan­gen­heit end­lich als das anse­he was es ist, näm­lich ver­gan­gen!

Tja und als ob dadurch ein Schal­ter umge­legt wur­de, genau danach klapp­te der Sex von einem Tag auf den ande­ren. Ich ver­ges­se nie die Nacht als wir im Bett lagen und schmus­ten und plötz­lich konn­ten wir mit­ein­an­der schla­fen, er hat­te über­haupt kei­ne Pro­ble­me. Nun haben wir seit über 4 Mona­ten wun­der­schö­nen und erfül­len­den Sex. Ich habe sel­ten einen Mann so sehr begehrt wie ihn.….

Im Rück­blick sieht es so aus, als wären wir man­chen Umweg gegan­gen um dahin zu kom­men, wo wir heu­te sind. Aber viel­leicht gab es gar kei­nen gera­den Weg. Und außer­dem kön­nen schnur­ge­ra­de Wege ja auch sehr lang­wei­lig sein und ob die­se Wege uns auch wei­ter­hel­fen? Sind es nicht letzt­end­lich die Umwe­ge die uns zei­gen, dass es ande­re Mög­lich­kei­ten und Wege gibt?

Ich hof­fe nur, dass ich die­se Erfah­rung nie ver­ges­se, wie befrei­end es für uns war, uns all unse­re Ängs­te, Ver­un­si­che­run­gen und Bedürf­nis­se zu erzäh­len. Das war nicht ein­fach, es hat Mut gekos­tet, da die Reak­ti­on des Part­ners nicht vor­aus­zu­se­hen war. Aber ob wir heu­te noch ein Paar wären, wenn wir die­ses Risi­ko nicht ein­ge­gan­gen wären?

Anja und Michael

Anja:

“… immer wie­der kreis­ten mei­ne Gedan­ken nur um eins — was hat­te ich falsch gemacht, um ihm den Anlass zu geben, sich so von mir abzu­wen­den. Er nahm mich kaum noch in den Arm, gab mir nur noch flüch­ti­ge Küs­se und wenn ich mehr woll­te, schob er mich unter irgend­ei­nem Vor­wand weg. Dabei hat­te alles so schön ange­fan­gen und ich war mir so sicher gewe­sen, dass wir wirk­lich gut zusammen­passen. Letzt­end­lich muss­te ich ihn ein­fach danach fra­gen, was los ist. Irgend­wie hat­te ich einen vagen Ver­dacht, dass er mit allen Mit­teln ver­such­te, etwas vor mir zu ver­heim­li­chen. Etwas, das er mir ein­fach nicht sagen konn­te. Ich fand es schließ­lich über Umwe­ge sel­ber heraus …”

Micha­el:

Ich bin Dia­be­ti­ker. Ich habe so ziem­lich zur sel­ben Zeit zwei Din­ge ken­nen gelernt, die mein Leben völ­lig auf den Kopf gestellt haben — mei­ne Freun­din und die erek­ti­le Dys­funk­ti­on (ED). Die ers­te Zeit lief&xnbsp; alles ganz nor­mal und wir genos­sen unser Zusammensein.&xnbsp; Nach eini­gen Wochen bemerk­te ich, dass ich doch ab und zu ziem­li­che Schwie­rig­kei­ten hat­te, eine Erek­ti­on zu bekom­men, obwohl die Gefüh­le und die Erre­gung dafür durch­aus da waren. Ich wuss­te, dass ich das nicht vor mei­ner Freun­din ver­ber­gen kann, aber ich konn­te auch nicht mit ihr dar­über reden. Ich woll­te nicht, dass sie es mit­be­kommt und so begann ich, ihre Zärt­lich­kei­ten abzu­wei­sen. Sie ließ mich aber nicht “in Ruhe”, der ein­zi­ge Aus­weg, den ich sah, war, immer wie­der unse­re Tref­fen kurz­fris­tig wegen irgend­wel­cher angeb­lich wich­ti­ge­ren Din­ge abzu­sa­gen. Ich zog mich immer mehr zurück. Völ­lig beschäf­tigt mit mei­nem Pro­blem merk­te ich gar nicht, wie sehr sie dar­un­ter litt. Sie wuss­te ja gar nicht, war­um ich vor allem dem inti­men Bereich unse­rer Bezie­hung ganz aus dem Weg ging. Ich hat­te Angst vor ihrer Reak­ti­on. Ich woll­te sie nicht ver­lie­ren, aber wer will schon einen Mann, der nicht kann.

Dass ihr die Situa­ti­on zwangs­läu­fig zu viel wur­de, war klar, und nach eini­gen Wochen kam sie zu mir und sag­te mir, ich soll end­lich mein Ver­hal­ten erklä­ren. In mei­ner Ver­zweif­lung ver­such­te ich, die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den, aber ich brach­te nichts her­aus. Und so nahm ich sie ein­fach in den Arm und ließ es sie sel­ber her­aus­fin­den, was mit mir nicht stimmt. Ich hat­te damit gerech­net, dass sie geschockt sein und wort­los gehen wür­de, oder dass sie eine abfäl­li­ge Bemer­kung dar­über machen wür­de — ich erwar­te­te ein­fach eine nega­ti­ve Reak­ti­on. Umso über­rasch­ter war ich, dass sie die Tat­sa­che der feh­len­den Erek­ti­on ein­fach igno­rier­te. Wir ver­brach­ten ein paar sehr schö­ne Stun­den mit­ein­an­der, obwohl ich nicht mit ihr schla­fen konn­te. Danach bat sie mich, ihr zu erklä­ren, woher mei­ne Erek­ti­ons­stö­run­gen kom­men. Es war ein sehr offe­nes Gespräch und es tat mir so gut, end­lich mei­ne Pro­ble­me mit jeman­dem tei­len zu kön­nen. Ich erklär­te ihr, dass es mit mei­nem Dia­be­tes zusam­men­hängt und die Erek­ti­ons­fä­hig­keit mit der Zeit immer weni­ger wer­den wür­de. Und ich sag­te ihr auch, dass ich es ver­ste­hen könn­te, wenn sie sich tren­nen möch­te. Sie hat mich nur ganz groß ange­schaut und mir gesagt, dass es für sie kei­nen Grund gibt, sich von mir zu trennen.

Wir sind immer noch zusam­men. Wir haben sehr vie­le neue und schö­ne Wege gefun­den, ein ganz nor­ma­les Sexu­al­le­ben zu füh­ren, das uns bei­de völ­lig erfüllt. Die ED ist dabei kein Hin­der­nis, im Gegen­teil — es ist jetzt anders, aber doch viel inten­si­ver und gefühl­vol­ler. Wir benut­zen bewusst kei­ne Hilfs­mit­tel. Dar­über haben wir uns auch sehr lan­ge unter­hal­ten, sind aber zu dem Schluss gekom­men, dass es auch ohne Hilfs­mit­tel mög­lich ist, ein sehr erfüll­tes Sexu­al­le­ben zu führen.

Momen­tan bin ich noch in der Lage, eine Erek­ti­on zu bekom­men, aber län­ger als ein paar Minu­ten kann ich sie nicht mehr hal­ten. Zum mit­ein­an­der schla­fen reicht es aber nicht mehr. Bedingt durch mei­nen Dia­be­tes und die damit ver­bun­de­ne Poly­neu­ro­pa­thie wird die Erek­ti­on immer schwä­cher und irgend­wann auch mal ganz aus­blei­ben. Aber davor habe ich kei­ne Angst mehr.

Die Idee, hier über uns und unse­re gemein­sa­men Erfah­run­gen mit ED zu schrei­ben, hat­te mei­ne Freun­din. Eigent­lich woll­te ich zuerst gar nicht, aber ich den­ke, dass es sehr vie­le Män­ner gibt, denen es so geht, wie es mir ging. Die ED tot­zu­schwei­gen, sei­ne Pro­ble­me und Ängs­te in sich hin­ein zu fres­sen, sind kei­ne Lösung. Dar­un­ter lei­den bei­de. Eine ED muss nicht das Ende der Bezie­hung sein. Sich der Part­ne­rin anzu­ver­trau­en, fällt sehr schwer, aber es ist wich­tig, das zu tun. Es ist ein Pro­blem, das bei­de betrifft und es muss geteilt wer­de. Allei­ne kann man nicht damit fer­tig wer­den. Es ist sehr wich­tig, offen dar­über zu reden. Das geht mit der Zeit auch, wenn erst ein­mal das Ver­trau­en da ist, sich mit­zu­tei­len. Es gibt von bei­den Sei­ten Fra­gen und Wün­sche, da am Anfang bei­de Part­ner nicht wis­sen, wie sie am bes­ten damit umge­hen sollen.

Wir bei­de hof­fen sehr, dass wir ande­ren Betrof­fe­nen mit unse­rer Geschich­te hel­fen und Mut machen kön­nen, das Schwei­gen zu brechen.

Wochen­en­de

Wochen­en­de, end­lich Wochen­en­de. Gott, wie freue ich mich! Die letz­te Zeit war aber auch stres­sig. Stän­dig auf Hoch­druck, immer was zu tun, stän­dig Angst oder Sor­ge, das irgend etwas nicht funk­tio­niert. Habe den letz­ten Auf­trag gra­de außer Haus gege­ben. Bin nicht mehr ver­ant­wort­lich! Kin­der sind weg, nicht mehr ver­ant­wort­lich! Bin ein­ge­la­den auf eine Ver­an­stal­tung. Das Pro­gramm wird mir wie die Geträn­ke ser­viert. Nicht ver­ant­wort­lich! Zuhau­se war­tet mein Schatz. Er will alles tun für unse­re Zukunft, für unser Glück. Ich habe wie­der begon­nen, ihm zu glau­ben. Ich kann sei­ne Lie­be ein­fach genie­ßen, auf mich ein­wir­ken las­sen. Ein­fach mal neh­men, nicht verantwortlich.

Ich mer­ke, wie die Last von mei­nen Schul­tern fällt, ich mich ent­span­ne. Ich las­se das Pro­gramm an mir vor­bei rau­schen, freue mich ein­fach nur aufs Heim­kom­men. Möch­te mei­ne Nase zwi­schen sei­nen Hals und sei­ne Schul­ter ver­gra­ben, möch­te in rie­chen. Mei­ne Hand unter sein Shirt glei­ten las­sen, ihn füh­len. Möch­te mich auf der Couch mit ihm wäl­zen, ein­fach unse­re Lie­be neu genie­ßen. Ich freue mich. Mer­ke, wie die Erre­gung in mir steigt. Mor­gen lan­ge aus­schla­fen, glück­lich mit­ein­an­der auf­wa­chen. Ich möch­te mit ihm mor­gen end­lich mal in die­sen Laden gehen, wo wir schon so lan­ge mal hin­woll­ten. War heu­te kurz da drin, ich weiß er wird 1.000 Din­ge fin­den, die ihm gefal­len. Ich sehe uns schon, glück­lich wie die Kin­der da durch gehen, ver­schie­de­ne Din­ge in die Hand neh­men, lachen, küs­sen. Ich freue mich.

Zu Hau­se.
Kei­ner liegt ent­spannt auf der Couch. Kei­ner da. Kei­ner, der mich in den Arm nimmt. Kei­ner, in des­sen Hals ich mei­ne Nase ver­gra­ben kann. Kei­ner, der mit mir die Ent-Span­nung des Abends genießt. War­um? Wo? Ich höre Geräu­sche von oben. Er kommt die Trep­pe run­ter, der Anflug von Ent­täu­schung in mir rennt davon. Ich grin­se breit, freue mich noch immer. Er schnappt sich den Besen, ich kom­me gleich wie­der. Ver­schwin­det im Bad. Gepolter.
Hey, Moment mal, wir haben nach Mit­ter­nacht, es ist Frei­tag, wir haben das gan­ze Haus für uns allein. In wel­chem Film bin ich gelandet?
Er kommt wie­der, grinst breit. Er hat den gan­zen Abend geputzt und sau­ber gemacht. Damit er nicht auf der Couch ein­schläft bis ich wie­der da bin. Na, ich hät­te ihn schon wach gekriegt. Fin­de es aber süß von ihm. Dann brau­chen wir uns mor­gen kei­nen Kopf zu machen und haben alle Zeit für uns. Auch wenn mich das Häuf­chen Kram, das er hin­ter der Wasch­ma­schi­ne her­vor­ge­holt hat, jetzt echt abnervt. Ich gucke weg, Ich will genie­ßen. Die­ses Wochen­en­de. Ihn. Das haben wir uns echt ver­dient nach all dem Stress.
Video? Na, gut. Egal wie spät es jetzt ist, wir haben alle Zeit der Welt. Die­ses Wochen­en­de. Wir beide.

Der Film ist doof. Ich höre ihn schon nach 10 Minu­ten schnar­chen. Toll. Aber ist ja nicht schlimm. Ich will mich nicht auf­re­gen. Immer­hin ist er ja auch (wie ich ) um 5.00 Uhr auf­ge­stan­den. Und hat den gan­zen Abend hier rum­ge­putzt. (Wer woll­te das eigent­lich?) Egal, wir haben ja das gan­ze Wochen­en­de Zeit. Aus­ge­schla­fen ist es bestimmt auch viel schö­ner. Ich trös­te mich mit dem Gedan­ken und schüt­te mir ein Glas Rot­wein ein. Viel­leicht kommt dann der Frust nicht hoch. Frust? Ja, Frust. Ich füh­le mich unge­liebt, abge­lehnt. Kei­nen Kuss, kei­ne Fum­me­lei, nix. Abge­lehnt, unge­liebt, nicht begehrt. Alt. Alt? Scheiß Frust. Beschlie­ße ihn zu wecken und ins Bett zu gehen, bevor ich beschlie­ße, den Frust zu ertränken.

Brrrrrr.…der Wecker! Kann nicht sein, ist doch hell drau­ßen. Ahh, wir haben Sams­tag mor­gen, 10.00 Uhr. Klas­se, ich füh­le mich rela­tiv erholt, aus­ge­schla­fen, frei, Wochen­en­de! Ich lie­be es!

Er räkelt sich. Jetzt, jetzt.… ich freue mich. Jetzt fängt das Wochen­en­de an und der Neu­an­fang unse­rer Lie­be! Er dreht sich zu mir um, stützt sich auf, grinst. Mmmh, du könn­test ruhig schon mal dei­ne Hand unter der Decke wan­dern las­sen.…. “Schatz, ich mache Dir Früh­stück!” Sprach’s, drück­te mir ein Küss­chen auf die Wan­ge und war weg. Mist, wer redet denn hier von Früh­stück? Ich rol­le mich wie­der zusam­men, ver­su­che noch etwas von der Wär­me des Schlafs zu erha­schen. Will mich ein­schmei­cheln las­sen von Wär­me, Berüh­rung und schö­nen Träu­men. Spä­ter, bestimmt. Aber es klappt nicht. Als wür­den Teu­fel­chen und Engel­chen aus der Wer­bung real in mei­nem Hirn exis­tie­ren fan­gen die Stim­men an. “Spä­ter? Du armer Tropf. Das wird nie was!” “Halt die Klap­pe. Er hat gesagt, er will mich glück­lich machen. Mich auf Hän­den tra­gen. Mich lie­ben und ehren!” Schei­ße, der Frust kommt wie­der, lässt die Trä­nen schie­ßen. Ich will nicht heu­len. Will uns/mir nicht die Chan­ce ver­der­ben, die sich viel­leicht noch auf­tut an die­sem Wochen­en­de. Außer­dem ist es doch lieb von ihm mir Früh­stück zu machen. Ich beschlie­ße jetzt einen Kaf­fee zu wol­len. Sprin­ge aus dem Bett, den letz­te Rest von Schwung und Begeis­te­rung zusam­men krat­zend. Im Bad schnell ein­mal kal­tes Was­ser, er soll nix mer­ken. Unter Druck wird das nie was, das weiß ich.

Irgend­wie ist der Frust oder auch das Teu­fel­chen sehr aus­ge­ruht heu­te mor­gen. Sie las­sen mich nicht in Ruhe. Mei­ne Stim­mung schwankt bedenk­lich. Ich will Lie­be! Er merkt es. Er soll es nicht mer­ken. Ich will kei­nen Streit, kei­ne Belei­di­gun­gen. Ich will ein lie­be­vol­les Wochen­en­de. Wir berat­schla­gen, was heu­te zu tun ist. Ich muss noch einen Auf­trag erle­di­gen, 10 Minu­ten, kein Pro­blem. Wir könn­ten wäh­rend des­sen in dem Geschäft stö­bern. Er muss noch was erle­di­gen, auch kein Pro­blem. Wir haben viel Zeit. Aber er will allei­ne fah­ren, oder jeden­falls nicht mit mir zusam­men. Wie auch immer, ich will kei­nen Streit. Der Traum vom lachen­den, glück­li­chen Pär­chen, das durch die Regal­rei­hen wan­dert kommt in die Kis­te, wo schon der Traum von Sex am Frei­tag­abend und der vom Sex am Sams­tag­mor­gen lie­gen. Wenigs­tens ein ande­res Bild, als das von zärt­li­chen, ver­schmus­ten und auch kopu­lie­ren­den Paa­ren. Bin ich am Ende doch nur sexgeil?

Knapp zwei Stun­den spä­ter tref­fen wir uns wie­der am Küchen­tisch. Ich bin total down. Zu den geplatz­ten Träu­men in der Kis­te kommt ein neu­er. Ich habe kein Geld auf dem Kon­to. Also kann ich wie­der nicht machen, wie oder was ich will. Es ist zum Ko.… Eigent­lich woll­te ich sowie­so nix machen, außer mit mei­nem Schatz zu Hau­se blei­ben, Roll­la­den run­ter und.…. Viel­leicht noch ein paar lecke­re Sachen ein­kau­fen um das Wochen­en­de zu zweit rich­tig zu genie­ßen. Aber von genie­ßen kann ja jetzt über­haupt kei­ne rede mehr sein. Ich bin voll frus­triert. Schatz will ein­kau­fen. Na, soll er doch. Ich mag nicht mehr. Ich sehe den Sil­ber­strei­fen am Hori­zont nicht mehr. Bemer­ke sel­ber, dass der Frust immer schnel­ler und immer gründ­li­cher kommt. Das macht mich wütend. Was kann ich für sei­ne Unlust? War­um kann er damit so ruhig leben und mich macht es in einer Tour fer­tig? Er meint, ich sei komisch drauf. Na toll. Am liebs­ten möch­te ich ihm mei­nen Frust ins Gesicht schrei­en. Aber ich weiß, dass das nicht funk­tio­niert. Er ist nicht bereit mit mir über das The­ma zu spre­chen. Das es mich zer­stört scheint er gar nicht zu mer­ken. Also sein Plan, wie es jetzt wei­ter­geht. Ich habe kei­ne mehr. Jeden­falls kei­ne, die sich rea­li­sie­ren las­sen. Ein­kau­fen und sau­ber machen. Schon wie­der! Ich has­se es. Ich has­se Haus­putz im all­ge­mei­nen und es reicht mir, wenn ich das mache, wenn die Kin­der zu Hau­se sind und sowie­so nix ande­res auf dem Plan steht. Jetzt auch noch Haus­putz, wenn wir allein sind? Und das soll mein Glück sein? Ich bin undank­bar, ich weiß. Ande­re Frau­en wären sicher glück­lich, wenn ihnen der Mann soviel hel­fen wür­de. Las­se ihn allein ein­kau­fen. Er kauft Lachs und lau­ter lecke­re Sachen. Was will er denn fei­ern? Die sau­be­re Woh­nung? Sicher nicht die tol­le Frau in sei­nem Leben. Ich ver­su­che, wie­der run­ter zu kom­men. Das hat so kei­nen Zweck. Immer­hin haben wir Sams­tag­nach­mit­tag. Wenn ich mich jetzt zusam­men rei­ße, kann’s ja viel­leicht doch noch schön wer­den. Ich neh­me mir die Bügel­wä­sche vor und ver­su­che mich mit Arbeit zu betäu­ben. Lei­der stellt Bügeln das Den­ken nicht ab. Und den Frust auch nicht.

Er macht und tut und arbei­tet und putzt und wie­nert, was das Zeug hält. Wahr­schein­lich wird er wie­der bis in die Nacht put­zen. Ist mir auch egal. Ich las­se es jetzt dar­auf ankom­men. Bin nett und freund­lich und ver­su­che mein Bes­tes zu geben. Beschlie­ße trotz­dem, nach dem Bügeln (es ist mitt­ler­wei­le nach 18.00 Uhr) baden zu gehen und nix mehr zu tun. Ich freue mich aufs Baden. Scheint lang­sam zur Manie zu wer­den mit der Bade­rei. Ich will ein­fach nur das war­me Was­ser um mei­nen Kör­per füh­len, mich ein­ge­hüllt von Wär­me und Zärt­lich­keit füh­len. Bei den Gedan­ken kom­men wir sofort wie­der die Trä­nen. War­um nur? War­um gibt es für ihn kei­ne Lust, wäh­rend ich mei­ne kaum zu zügeln weiß?

Ich genie­ße das Bad, mein Buch (“Hem­mungs­lo­se Lei­den­schaft” — viel­leicht nicht die rich­ti­ge Lek­tü­re, aber soll­te ich lesen “Wie sie ihren Fuß­bo­den wie­der auf Hoch­glanz brin­gen!”) und ein Glas Wein. So früh schon, aber lang­sam trin­ke ich ihn wirk­lich, um mei­nen Frust zu betäu­ben. Viel­leicht lässt sich die Situa­ti­on so bes­ser aushalten?

Er bemerkt mei­nen Frust und wird sau­er auf mich. Schließ­lich tut er alles für uns. Hat auch ein­ge­kauft, weil ich mal wie­der kein Geld hat­te. Klas­se. Ich flüch­te in die war­me, ein­schmei­cheln­de Zärt­lich­keit der Bade­wan­ne. Er kommt rein, will sei­ne Haa­re waschen. Kein Blick auf mei­ne Brüs­te, die kaum bedeckt vom Schaum aus dem Was­ser gucken. Ich stei­ge lang­sam aus der Wan­ne, trock­ne mich ab, creme mich demons­tra­tiv ruhig und lang­sam über­all ein. Er spricht über irgend­was. Kei­ne Ahnung wor­über, neben­säch­lich. Er scheint mich und mei­ne Nackt­heit gar nicht mehr zu bemer­ken. Ich stei­ge in mei­ne Kla­mot­ten, etwas in mei­nem Inne­ren zer­birst. Aus, tot, vor­bei. Ich will Lie­be. Lie­ben und geliebt wer­den, Lie­be, Lust und Lei­den­schaft. Genau so und nicht Lie­be, Frust und Putzeimer.

Er bemerkt mei­ne Lau­ne. Es eska­liert end­gül­tig. Ich kann den Frust nicht mehr kon­trol­lie­ren, füh­le mich leer, aus­ge­brannt und tot. Sage es ihm. Will, dass er mich zumin­dest in den Arm nimmt. Trös­tet, beru­higt, mit mir spricht. Auch über sei­ne Unlust. Über uns. Wie das funk­tio­nie­ren soll. Ich will, das er was dage­gen tun will! Aber er rech­net auf. Was er alles getan hat für uns. Wie er sich ver­aus­gabt. Wie dank­bar ich sein könn­te. Und ich, ich habe immer nur Sex im Kopf! Ich will doch gar kei­nen puren Sex. Ja, viel­leicht den manch­mal auch. Aber ich will Lust. Viel Lust!

Mei­ne Trä­nen schei­nen nicht ver­sie­gen zu wol­len. Sei­ne Wor­te auch nicht. Wenn er doch end­lich ruhig wäre und sich um mich küm­mern wür­de, anstatt sich zu recht­fer­ti­gen. Böse Wor­te, vie­le Trä­nen, dann ein Ein­len­ken von ihm. Gut, das ist schon mal ein Fort­schritt. Habe ich in letz­ter öfters bemerkt, dass er sich bemüht ein­zu­len­ken anstatt weg zu lau­fen. Ich will uns nicht im Weg ste­hen. Also schlu­cken, ruhig wer­den, glau­ben, hof­fen, dass er bemerkt, das es 5 vor 12 ist. Couch, Arm, Fern­se­hen. Er macht kei­ne Anstal­ten, evtl. ein­mal unter mei­nen Pul­li zu gehen, oder mir wenigs­tens einen aus­gie­bi­gen Zun­gen­kuss zu geben. Toll, ich wer­de immer anspruchs­lo­ser. Bald bin ich schon mit einem Kuss zufrieden.

Ich neh­me den Wein. Er wärmt von innen und trös­tet. Lässt mich spä­ter schnell ein­schla­fen. Ich will nicht wie­der hören, wie er neben mir ein­schläft, kaum dass er sich ent­spannt. Manch­mal den­ke ich, er arbei­tet extra so hart und viel, dass er nicht mehr in der Lage ist, die Augen offen zu hal­ten, kaum das er sich entspannt.

Natür­lich bekom­me ich am Sonn­tag wie­der Früh­stück gemacht, wie lieb. Ich ver­schaf­fe mir Arbeit am PC. Muss mich zurück zie­hen, will nicht mehr den­ken, füh­len, hof­fen, leiden.

Er sagt mir abends: “Ich lie­be Dich, auch wenn wir die­ses Wochen­en­de kei­nen Sex hat­ten.” Ja, das weiß ich, sonst wäre ich nicht mehr hier bei Dir, den­ke ich mir. Aber wie lan­ge wer­de ich noch mit Dir zusam­men sein? Ich möch­te Dich nicht des­we­gen ver­las­sen, aber ich mer­ke, wie sich eine Käl­te in mir aus­brei­tet, die mich vor neu­en Hoffnungen/Enttäuschungen schüt­zen will. So wird das nix mit uns. “Tu was” möch­te ihm ent­ge­gen­schrei­en. Sage statt­des­sen “Ich lie­be Dich auch”.