Kos­ten­über­nah­me für die The­ra­pie

Situa­ti­on für Ver­si­cher­te der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen

Über die Bewer­tung der erek­ti­len Dys­funk­ti­on als Krank­heit besteht bei Medi­zi­nern und Juris­ten Einig­keit; ins­be­son­de­re nach dem letzt­in­stanz­li­chen höchst­rich­ter­li­chen Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) vom 30.9.1999, Akten­zei­chen B 8 KN 9/98 KR R und der sich dar­an anschlie­ßen­den jah­re­lan­gen Recht­spre­chung. Danach begrün­det eine erek­ti­le Dys­funk­ti­on den Rechts­an­spruch des Ver­si­cher­ten nach § 27 / § 28 Sozi­al­ge­setz­buch V (SGB V) auf Behand­lung und Ver­sor­gung mit Arz­nei- und Hilfs­mit­teln. Dies hat der Gesetz­ge­ber im Gesetz vom 1.1.2004 zur Moder­ni­sie­rung des Gesund­heits­we­sens (GMG) — wie die Gesund­heits­re­form offi­zi­ell heißt — durch eine Neu­fas­sung des § 34 des SGB V geän­dert. Der ent­schei­den­de Pas­sus lau­tet:

“Von der Ver­sor­gung sind außer­dem Arz­nei­mit­tel aus­ge­schlos­sen, bei deren Anwen­dung eine Erhö­hung der Lebens­qua­li­tät im Vor­der­grund steht. Aus­ge­schlos­sen sind ins­be­son­de­re Arz­nei­mit­tel, die über­wie­gend zur Behand­lung der erek­ti­len Dys­funk­ti­on, der Anrei­zung sowie Stei­ge­rung der sexu­el­len Potenz, zur Rau­cher­ent­wöh­nung, zur Abma­ge­rung oder zur Züge­lung des Appe­tits, zur Regu­lie­rung des Kör­per­ge­wichts oder zur Ver­bes­se­rung des Haar­wuch­ses die­nen.”

Das heißt, dass sog. PDE5-Hem­mer (Cia­lis®, Levi­tra®, Spe­dra® und Via­gra®), SKAT (Viri­dal®, Caver­ject®), MUSE®, Vita­ros® und Yohim­bin (Yohim­bin Spie­gel®, Yocon Glen­wood®) von den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen nicht mehr bezahlt wer­den.

Nach wie vor sind Kas­sen­leis­tung:

  1. Bera­tung und Behand­lung bei ED sind auch nach den bei­den Gesund­heits­re­for­men von 2004 (GMG) und 2007 (GKV-WSG) voll Leis­tung der gesetz­li­chen Krankenversicherung.Die meis­ten Erst­ge­sprä­che beim Uro­lo­gen enden mit der Aus­stel­lung eines Pri­vat­re­zep­tes für Cia­lis, Levi­tra bzw. Via­gra. Danach wird jeder wei­te­re Besuch als soge­nann­te *ein­ge­lei­te­te*, *erwei­ter­te* oder *fort­ge­setz­te* Behand­lung, als Gespräch, Bera­tung, Abklä­rung oder Dia­gnos­tik bezeich­net und muss pri­vat bezahlt wer­den. Die Begrif­fe *ein­ge­lei­te­te*, *erwei­ter­te* oder *fort­ge­setz­te* Behand­lung sind rei­ne Erfin­dun­gen und nicht Bestand­teil der Recht­spre­chung im Sozi­al- und Kran­ken­ver­si­che­rungs­recht. All dies ist voll Leis­tung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und der Ver­trags­arzt darf hier­für kei­ne pri­va­te Bezah­lung vom Pati­en­ten for­dern.
  2. Dia­gnos­tik (u.a. Blut­ent­nah­me zur Hor­mon­be­stim­mung; Schwell­kör­per­in­jek­ti­ons­test [SKIT] mit Ultra­schall zur Mes­sung der Durch­blu­tung ein­schließ­lich Sprit­ze und Medi­ka­ment)
  3. Vaku­um-Erek­ti­ons­hil­fe (Pro­dukt­grup­pe 99, Anwen­dungs­ort 27, Unter­grup­pe 02 im GKV-Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis)
  4. Erek­ti­ons­rin­ge (Pro­dukt­grup­pe 99, Anwen­dungs­ort 27, Unter­grup­pe 01 im GKV-Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis)
  5. Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung
  6. Tes­to­ste­ron-Ersatz-The­ra­pie (alle Tes­to­ste­ron-Gele, ‑pflas­ter und Depot-Sprit­zen einschl. Nebi­do®)
  7. Schwell­kör­per-Implan­ta­te
  8. Ope­ra­tio­nen

Dass Medi­ka­men­te für die Behand­lung der erek­ti­len Dys­funk­ti­on nicht mehr gezahlt wer­den, ist äußerst lebens­fremd. Die­se Arz­nei­mit­tel sind kei­ne Life­style-Dro­gen und kei­ne Aphro­di­sia­ka. Wer an die­sem Beschluss mit­ge­wirkt hat, hat kei­ne Ahnung von den nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen einer gestör­ten Sexua­li­tät. Es geht nicht um Lust­ge­winn oder Stei­ge­rung der sexu­el­len Potenz, son­dern um die Behand­lung einer Krank­heit, die oft erheb­li­che psy­chi­sche, sozia­le und kör­per­li­che Pro­ble­me zur Fol­ge hat. Es ist völ­lig unan­ge­mes­sen, die Behand­lung der ED mit einer Erhö­hung der Lebens­qua­li­tät, Anrei­zung und Stei­ge­rung der sexu­el­len Potenz, Züge­lung des Appe­tits oder Ver­bes­se­rung des Haar­wuch­ses in einem Atem­zug zu nen­nen.

Inzwi­schen hat das BSG unter dem Akten­zei­chen B 1 KR 25/03 R eine wich­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen:

Pres­se-Mit­tei­lung Nr. 24/05 (zum Pres­se-Vor­be­richt Nr. 24/05)

Der 1. Senat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts berich­tet über das Ergeb­nis der am 10. Mai 2005 nach münd­li­cher Ver­hand­lung ent­schie­de­nen Revi­si­ons­ver­fah­ren:

“Durch das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GMG) vom 14.11.2003 hat der Gesetz­ge­ber ab 1.1.2004 Arz­nei­mit­tel von der Ver­ord­nung zu Las­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung aus­ge­schlos­sen, bei deren Anwen­dung eine Erhö­hung der Lebens­qua­li­tät im Vor­der­grund steht. Aus­ge­schlos­sen sind danach ins­be­son­de­re Arz­nei­mit­tel, die “über­wie­gend” der Behand­lung der erek­ti­len Dys­funk­ti­on oder der Anrei­zung sowie Stei­ge­rung der sexu­el­len Potenz die­nen. Damit ist seit 1.1.2004 auch Via­gra® aus dem Leis­tungs­ka­ta­log der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung aus­ge­schlos­sen. Die­ser Leis­tungs­aus­schluss ver­stößt nicht gegen das Grund­ge­setz. Aus die­sem folgt zwar eine objek­tiv-recht­li­che Pflicht des Staa­tes, das Recht auf Leben und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit zu schüt­zen. Dar­über hin­aus ist es ver­fas­sungs­recht­lich nur gebo­ten, eine medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung für alle Bür­ger bereit­zu­hal­ten. Dabei hat der Gesetz­ge­ber einen so wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum, dass sich ori­gi­nä­re Leis­tungs­an­sprü­che der Ver­si­cher­ten aus dem Grund­ge­setz regel­mä­ßig nicht ablei­ten las­sen. Der Gesetz­ge­ber ver­letzt sei­nen Gestal­tungs­spiel­raum auch im Hin­blick auf das Sozi­al­staats­ge­bot nicht, wenn er ange­sichts der beschränk­ten finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung Leis­tun­gen aus dem Leis­tungs­ka­ta­log her­aus­nimmt, die — wie hier — in ers­ter Linie einer Stei­ge­rung der Lebens­qua­li­tät jen­seits lebens­be­droh­li­cher Zustän­de die­nen.”

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) hat in einem wei­te­ren Urteil (B 1 KR 10/11 R vom 6.3.2012) ent­schie­den, dass die ausge­schlossene Kosten­übernahme durch die gesetz­li­che Kranken­versicherung (GKV) für Arz­nei­mit­tel zur Behand­lung der erek­ti­len Dys­funk­ti­on (ED) nicht gegen das Grund­ge­setz und auch nicht gegen die UN-Behin­der­ten­­­rechts­­kon­ven­ti­on ver­stößt, weil es sich um Berei­che han­delt, bei denen die Über­gän­ge zwi­schen krank­haf­ten und nicht krank­haf­ten Zustän­den auch maß­geb­lich vom sub­jek­ti­ven Emp­fin­den des ein­zel­nen Ver­si­cher­ten abhän­gen kön­nen.

Das bedeu­tet, dass Kla­gen von gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten zur Durch­set­zung der Kosten­übernahme der Ver­sor­gung mit Arz­nei­mit­teln zur Behand­lung der ED aus­sichts­los sind.

Für Besu­cher unse­rer Inter­net­sei­ten aus Öster­reich sei auf den Arti­kel “OGH lenkt ein: Via­gra doch auf Kas­se” hin­ge­wie­sen. Er betrifft die Ent­schei­dung des Obers­ten Gerichts­ho­fes (OGH) zur Kos­ten­über­nah­me von Potenz­mit­teln.

Situa­ti­on für Ver­si­cher­te der pri­va­ten Kran­ken­kas­sen

Die gesetz­li­chen Neu­re­ge­lun­gen durch die Gesund­heits­re­form für die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen gel­ten nicht für die pri­va­ten Kran­ken­kas­sen und deren Ver­si­cher­te. Den­noch leh­nen auch die pri­va­ten Kran­ken­kas­sen immer häu­fi­ger die Kos­ten­über­nah­me ab. Bei pri­va­ten Kas­sen kann die Situa­ti­on den­noch eine etwas ande­re sein. Man muss da in den Ver­si­che­rungver­trag sehen, ob sich dort eine Klau­sel fin­det, nach der die Behand­lung der erek­ti­len Dys­funk­ti­on (Erek­ti­ons­stö­rung, Potenz­stö­rung) aus­ge­schlos­sen ist bzw. ob die Sat­zung oder das Leis­tungs­ver­zeich­nis eine sol­che Behand­lung aus­schlie­ßen. In dem Zusam­men­hang ist wich­tig, wie die­ser Aus­schluss ist. Es kann aus­ge­schlos­sen sein, dass Behandlung/Mittel zur Potenz“steigerung” bezahlt wer­den. Die Behand­lung einer dia­gnos­ti­zier­ten ED hat aber mit Potenz“steigerung” nichts zu tun. Es geht um die Wie­der­her­stel­lung einer Kör­per­funk­ti­on, nicht um ihre Stei­ge­rung oder Anrei­zung. Die erek­ti­le Dys­funk­ti­on wird medi­zi­nisch und juris­tisch als Krank­heit bewer­tet und nicht als blo­ßes Feh­len einer Quel­le pri­va­ten sexu­el­len Ver­gnü­gens und Spa­ßes.

In Anbe­tracht der Kos­ten, wenn man z.B. Viagra/SKAT usw. auf Dau­er selbst bezah­len muss, ist zu erwä­gen, ob man die Kos­ten­über­nah­me für die Behand­lung und Medi­ka­men­te recht­lich durch­set­zen will. Kla­gen gegen pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen sind vor Amts­ge­rich­ten zu erhe­ben. Es gibt eine gan­ze Rei­he von Urtei­len, in denen den die pri­va­ten Ver­si­che­run­gen zur Kos­ten­über­nah­me ver­ur­teilt wur­den. Akten­zei­chen von Ver­fah­ren sind in unten­ste­hen­der Tabel­le zu fin­den. Kla­gen soll­te man nicht ohne anwalt­li­che Hil­fe. Hier­zu ist eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung natür­lich nütz­lich.

Soll­te der Kran­ken­ver­si­che­rungs­ver­trag die Bedin­gung ent­hal­ten, dass die Behand­lung der Impotenz/ED aus­ge­schlos­sen ist, kommt es auch sehr auf das Gericht an, wie es die­sen Sach­ver­halt bewer­tet. Eine Mög­lich­keit ist die, dass es sagt, Ver­trä­ge sind ein­zu­hal­ten und in dem Ver­trag steht nun ein­mal, vom Ver­si­che­rungs­neh­mer unter­schrie­ben, dass ED/Impotenz aus­ge­schlos­sen ist. Dabei blei­ben medi­zi­ni­sche Aspek­te dann völ­lig unbe­rück­sich­tigt. Ein ande­rer Rich­ter mag das von der medi­zi­ni­schen Sei­te her beur­tei­len und dem Pati­en­ten Recht geben, und die Kas­se muss die Kos­ten über­neh­men. Das alles kommt sehr auf den Ein­zel­fall an. Es ist aber sehr die Fra­ge, wie weit einem “nor­ma­len” Ver­si­che­rungs­neh­mer zuzu­mu­ten ist, bei Ver­trags­ab­schluss sämt­li­che Klau­seln vor­her zu lesen und für die Zukunft deren medi­zi­ni­sche Trag­wei­te und Kon­se­quenz zutref­fend ein­zu­schät­zen. Damit dürf­te jeder juris­ti­sche und medi­zi­ni­sche Laie über­for­dert sein, so dass sol­che Leis­tungs­aus­schlüs­se even­tu­ell rechts­un­wirk­sam sind. Jeder geht davon aus, dass der Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz ein umfas­sen­der ist und jeman­den in der pri­va­ten Ver­si­che­rung bes­ser und nicht schlech­ter stellt als den gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten.

Situa­ti­on für Ver­si­cher­te mit Bei­hil­fe­an­spruch

Der­zeit sind Beam­te, Beschäf­tig­te des öffent­li­chen Diens­tes etc. mit Bei­hil­fe­an­spruch benach­tei­ligt. Im Gegen­satz zu den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen über­nimmt näm­lich die Bei­hil­fe die Kos­ten für Vaku­um­erek­ti­ons­hil­fen nicht. Nach Anla­ge 3 der Bei­hil­fe­vor­schrif­ten (zu § 6 Abs.1 Nr.4 BhV) auf S. 52 heißt es: “8. Auf­wen­dun­gen für Erek­ti­ons­hil­fen sind nicht bei­hil­fe­fä­hig.” Und dann noch ein­mal: “9. Zu den Hilfs­mit­teln gehö­ren nicht Gegen­stän­de, die nicht not­wen­dig und ange­mes­sen (§ 5 Abs.1), von gerin­gem oder umstrit­te­nem the­ra­peu­ti­schen Nut­zen oder gerin­gem Abga­be­preis (§ 6 Abs. 4 Nr.3) sind oder der all­ge­mei­nen Lebens­hal­tung unter­lie­gen, ins­be­son­de­re: … Erek­ti­ons­hil­fen …”.

Seit 2004 sind in den Bei­hil­fe­vor­schrif­ten die Rege­lun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung für die Kos­ten­über­nah­me für Arz­nei­mit­tel gegen Erek­ti­ons­stö­run­gen über­nom­men wor­den. Das bedeu­tet, dass Beam­te für die­se pri­vat ver­ord­ne­ten Arz­nei­mit­tel kei­ne Bei­hil­fe bekom­men.

Dage­gen hat ein Beam­ter erfolg­reich geklagt. Er litt nach einer Pro­sta­ta-Ent­fer­nung unter Erek­ti­ons­stö­run­gen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz urteil­te am 20. April 2007 (Akten­zei­chen: 10 A 11598/06.OVG), dass die Bei­hil­fe die Kos­ten für Via­gra über­neh­men muss, da eine krank­heits­be­ding­te Erek­ti­ons­stö­rung vor­liegt. Genau­so hat das OVG Rhein­land-Pfalz am 15.12.2006 (Akten­zei­chen: 2‑a-1111506.ovg) geur­teilt. Aus dem glei­chen Grund hat das OVG NRW am 31.8.2007 (Akten­zei­chen: 6 A 2321-06 31.8.07) einem Beam­ten Bei­hil­fe bei der Ver­ord­nung von MUSE zuge­spro­chen. Es sei nicht zuläs­sig, für eine bestimm­te Krank­heit kei­ne Bei­hil­fe zu zah­len. Es wur­den wei­te­re juris­ti­sche Grün­de auf­ge­führt, wes­halb die Rege­lun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nicht auf die Bei­hil­fe über­trag­bar sei­en.

Jetzt hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt (BVerwG) in zwei Ver­fah­ren am 28.5.2008 (Akten­zei­chen: 2 C 24.07 und 2 C 108.07) genau ent­ge­gen­ge­setzt geur­teilt. In der Pres­se-Mit­tei­lung des BVerwG heißt es:

“Auf­wen­dun­gen für potenz­stei­gern­de Arz­nei­mit­tel (“Via­gra” und ähn­li­che Prä­pa­ra­te) sind auch dann nicht bei­hil­fe­fä­hig, wenn die Mit­tel dem Beam­ten zum Aus­gleich der Fol­gen einer schwe­ren Erkran­kung wie etwa einer krebs­be­ding­ten Ent­fer­nung der Pro­sta­ta ärzt­lich ver­schrie­ben wor­den sind. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig am 28. Mai 2008 ent­schie­den.”

Anders als das Beru­fungs­ge­richt hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) dar­in gese­hen, dass die Bei­hil­fe­vor­schrif­ten des Bun­des in Über­ein­stim­mung mit ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen, die für die gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten gel­ten, die Bei­hil­fe­fä­hig­keit für die­se Medi­ka­men­ten­grup­pe aus­schlie­ßen. Der Aus­schluss beruht auf der Erwä­gung, dass die­se Mit­tel unge­ach­tet der krank­heits­be­ding­ten Ursa­che der behan­del­ten Lei­den nicht erfor­der­lich sind, um einen vom Wil­len und vom Ver­hal­ten des Pati­en­ten unab­hän­gi­gen Lei­dens­zu­stand zu besei­ti­gen oder zu lin­dern und des­halb zu den Arz­nei­mit­teln zu rech­nen sind, die in ihrer Wir­kung nicht von soge­nann­ten Life­style-Pro­duk­ten abzu­gren­zen sind, von denen auch Gesun­de Gebrauch machen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sieht es als gerecht­fer­tigt an, die­se Fall­grup­pe anders zu behan­deln als die Fall­grup­pe behand­lungs­be­dürf­ti­ger Lei­den, die unbe­han­delt unzu­mut­ba­re Beschwer­den nach sich zie­hen oder gar zu einer wei­te­ren Gesund­heits­ver­schlech­te­rung füh­ren.

Mit sei­ner Ent­schei­dung weicht das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt von sei­ner frü­he­ren Ent­schei­dung aus dem Jahr 2003 ab, in der es die Bei­hil­fe­fä­hig­keit sol­cher Mit­tel noch bejaht hat­te. Die jet­zi­ge Ent­schei­dung beruht auf einer 2004 in Kraft getre­te­nen Ände­rung der Bei­hil­fe­vor­schrif­ten, mit der das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um auf die frü­he­re Ent­schei­dung reagiert hat­te. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat jedoch erneut dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Bei­hil­fe­vor­schrif­ten des Bun­des nicht den Anfor­de­run­gen des ver­fas­sungs­recht­li­chen Geset­zes­vor­be­halts genü­gen und des­halb nich­tig sind. Es hält sie nur über­gangs­wei­se noch bis zum Ablauf der gegen­wär­ti­gen Legis­la­tur­pe­ri­ode, und zwar unver­än­dert nach dem Stand von 2004 und damit ohne Berück­sich­ti­gung spä­te­rer Leis­tungs­ein­schrän­kun­gen wei­ter­hin für anwend­bar. Bei wei­te­rer Untä­tig­keit des Gesetz­ge­bers wer­den die Ver­wal­tungs­ge­rich­te nach Ablauf der Über­gangs­frist über Bei­hil­fe­an­sprü­che aus­schließ­lich nach den Kri­te­ri­en der Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit im Ein­zel­fall zu ent­schei­den haben.

Mitt­ler­wei­le hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln unter dem Akten­zei­chen 27 K 7089/09 am 9.12.2011 rechts­kräf­tig ent­schie­den, dass die Bei­hil­fe für medi­zi­nisch not­wen­di­ge Schwell­kör­per-Implan­ta­te (SKI) leis­ten muss. Bis­her war nicht klar, ob die SKI nach Anla­ge 3 der Beihilfe­vorschriften (zu § 6 Abs.1 Nr.4 BhV) in die Kate­go­rie der Hilfs­mit­tel wie z.B. Vaku­um­pum­pen, Erek­ti­ons­rin­ge gehö­ren und des­halb wie die­se vom Pati­en­ten pri­vat zu bezah­len sind.

Bis­her ergan­ge­ne Urtei­le gegen pri­va­te Kran­ken­kas­sen und die Bei­hil­fe

Gericht Akten­zei­chen Datum Medi-
kament Kran­ken­kas­se Wei­te­re Hin­wei­se Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) B8 KN 9/98 KR R 30.9.1999 SKAT Bun­des-
knapp­schaft Urteils­text als WORD-Doku­ment (105 kB) OLG Mün­chen 25 U 4628 / 99 8.8.2000 Via­gra Cen­tral KV AG   AG Köln 115 C 363 / 98 Aug. 2001 Via­gra   Ärz­te Zei­tung vom 03.08.2001 OVG Rhein­land-Pfalz 2A 11755 / 01 17.5.2002 Via­gra   Pres­se­mit­tei­lung von Jurawelt.com VG Han­no­ver 13 A2675/01, 13 A610/02, 13 A892/02 Dez. 2002 Via­gra   Ärz­te Zei­tung vom 10.12.2002 Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 3 B 00.3631 März 2003 Via­gra Beam­ten-
Bei­hil­fe Süd­deut­sche Zei­tung vom 03.04.2003, S. 38 OLG Karls­ru­he 12 U 32/03 03.07.2003 Via­gra   Ärz­te Zei­tung vom 9.7.03 Bun­des-Ver­wal­tungs­ge­richt 2 C 26 / 02 30.10.2003 Via­gra Bei­hil­fe   VG Koblenz 2 K 2236/04.KO 23.2.2005 SKAT Bei­hil­fe   VG Köln 27 K 7089/09 9.12.2011 SKI Bei­hil­fe

Das BSG-Urteil betrifft nicht die pri­va­ten Kas­sen. Es ist den­noch auf­ge­führt, weil es in sei­ner recht­li­chen Bewer­tung der ED als Krank­heit und dem dar­aus resul­tie­ren­den Rechts­an­spruch auf Behand­lung und Ver­sor­gung mit Arz­nei­mit­teln von grund­le­gen­der all­ge­mei­ner Bedeu­tung ist.