Ursa­chen von Erektionsstörungen

Die Ent­ste­hung und Auf­recht­erhal­tung einer Erek­ti­on ist ein kom­ple­xer Vor­gang, bei dem vie­le Ein­zel­vor­gän­ge naht­los zusam­men­wir­ken müs­sen. Um die vie­len Mög­lich­kei­ten zu erken­nen, die eine befrie­di­gen­de Erek­ti­on ver­hin­dern kön­nen, muss man sich ein­mal klar­ma­chen, wie eine Erek­ti­on ent­steht (eine detail­lier­te Beschrei­bung der Vor­gän­ge bei einer Erek­ti­on ist in unse­rer Sei­te “Wie ent­steht eine Erek­ti­on?” ent­hal­ten):

  1. Sinn­li­che Rei­ze wer­den im Gehirn auf­ge­nom­men und bewertet.
  2. Vom Gehirn wer­den Ner­ven­im­pul­se über das auto­no­me Ner­ven­sys­tem (Para­sym­pa­thi­kus) an den Penis gesendet.
  3. An den Ner­ven­enden wer­den Neu­ro­trans­mit­ter frei­ge­setzt, die über eine kom­ple­xe bio­che­mi­sche Reak­ti­ons­ket­te eine Erschlaf­fung der glat­ten (nicht will­kür­lich beein­fluss­ba­ren) Schwell­kör­per­mus­ku­la­tur bewirken.
  4. Durch das Erschlaf­fen der Schwell­kör­per­mus­ku­la­tur wer­den die Hohl­räu­me in den Schwell­kör­pern (cor­po­ra caver­no­sa) grö­ßer und Blut strömt ein.
  5. Das ein­strö­men­de Blut bewirkt eine Ver­grö­ße­rung (Tume­s­zenz) des Penis. Da die Schwell­kör­per von einer fes­ten Haut (Tuni­ca albu­g­i­nea) umge­ben sind, wer­den durch die Aus­deh­nung der Schwell­kör­per die Venen kom­pri­miert. Damit wird der Blut­ab­fluss stark gedrosselt.
  6. Die voll­stän­di­ge Ver­stei­fung (Rigi­di­tät) wird durch eine Kon­trak­ti­on der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur (Mm. ischio­ca­ver­no­si) erreicht. Dabei ent­ste­hen in den Schwell­kör­pern Blut­druck­wer­te, die grö­ßer als 400 mm Hg sein können.

Die­ser Ablauf kann an vie­len Stel­len gestört sein. Dafür kön­nen kör­per­li­che (orga­ni­sche, phy­si­sche) und see­li­sche (psy­chi­sche) Ursa­chen ver­ant­wort­lich sein. Gene­rell geht man heu­te davon aus, dass Erek­ti­ons­stö­run­gen meist mul­ti­fak­to­ri­ell bedingt sind, also mehr als eine Ursa­che haben. Beson­ders eine kla­re Unter­schei­dung, ob Erek­ti­ons­pro­ble­me ent­we­der orga­nisch oder psy­chisch bedingt sind, ist in vie­len Fäl­len nicht mög­lich. Oft lie­gen orga­ni­sche und psy­chi­sche Ursa­chen vor (Levi­ne 2003).

Da in unse­rer Gesell­schaft Männ­lich­keit mit Potenz gleich­ge­setzt wird, füh­ren auch ursprüng­lich rein orga­nisch ver­ur­sach­te Erek­ti­ons­stö­run­gen fast immer zu psy­chi­schen Pro­ble­men (Beein­träch­ti­gung des Selbst­wert­ge­fühls, Ver­sa­gens­angst, Ver­mei­dung von sexu­el­len Akti­vi­tä­ten, Depres­sio­nen), die ihrer­seits die Erek­ti­ons­stö­rung ver­stär­ken und auf­recht erhal­ten kön­nen. Da Angst und Stress eine Erek­ti­on ver­hin­dern kön­nen, führt beson­ders die Ver­sa­gens­angst schnell in einen Teu­fels­kreis, aus dem man­che Män­ner ohne Hil­fe kei­nen Aus­weg fin­den: Angst und inten­si­ve Selbst­be­ob­ach­tung ver­hin­dern eine aus­rei­chen­de Erek­ti­on, und das Erle­ben die­ses “Ver­sa­gens” erhöht die Angst.

Eine ange­mes­se­ne Behand­lung der erek­ti­len Dys­funk­ti­on soll­te daher auch bei erkenn­ba­ren orga­ni­schen Ursa­chen die psy­chi­schen Pro­ble­me nicht aus dem Blick ver­lie­ren und gege­be­nen­falls par­al­lel behandeln.

Auf den fol­gen­den Sei­ten gehen wir detail­liert auf orga­ni­sche und psy­chi­sche Ursa­chen der erek­ti­len Dys­funk­ti­on ein. Als drit­ten Punkt beschrei­ben wir Erek­ti­ons­stö­run­gen als Neben­wir­kung von Medi­ka­men­ten. Die­ses The­ma gehört zwar eigent­lich zu den orga­ni­schen Grün­den. Da es aber ein sehr kom­ple­xes The­ma ist und sehr häu­fig auf­tritt, behan­deln wir die­sen Punkt hier sepa­rat. Lesen Sie weiter:

Lite­ra­tur

  • Levi­ne, Ste­phen B (2003):
    Erec­ti­le dys­func­tion: why drug the­ra­py isn’t always enough.
    Cleve­land Cli­nic Jour­nal of Medi­ci­ne, Volu­me 70, Num­ber 3, Pages 241–246.

Die­se Sei­te wur­de von Nicht-Medi­zi­nern erstellt. Die Autoren haben dazu sorg­fäl­ti­ge Recher­chen durch­ge­führt. Die Infor­ma­tio­nen auf die­ser Sei­te sol­len Ihnen bei der Vor­be­rei­tung eines Arzt­be­suchs hel­fen und das Gespräch mit dem Arzt erleich­tern. Sie kön­nen kei­nes­falls das Gespräch mit dem Arzt ersetzen!