Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Erektionsstörung: Ursachen, Behandlung, Kosten, Erfahrungen - von Betroffenen

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Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie) und Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion)

Was versteht man unter Bluthochdruck? (Definition)

Der medizinische Fachausdruck für Bluthochdruck ist Hypertonie (englisch: Hypertension). Das Gegenteil, also ein zu niedriger Blutdruck, wird als Hypotonie bezeichnet.

Bluthochdruck kann in allen wichtigen Gefäßgebieten des Körpers auftreten:

Im täglichen Sprachgebrauch ist mit Bluthochdruck bzw. Hypertonie in der Regel die arterielle Hypertonie gemeint. Auch wir verwenden im Folgenden "Bluthochdruck" ausschließlich im Sinne von arterieller Hypertonie.

Der arterielle Blutdruck wird durch zwei Zahlenwerte bestimmt. Der obere Wert (systolischer Wert) tritt beim Austreiben des Blutes aus der linken Herzkammer auf, der untere Wert (diastolischer Wert) vor der erneuten Füllung des Herzens.

Früher hat man die Faustregel "Normaler Blutdruck = 100 + Lebensalter" angewandt. Nach neueren Erkenntnissen müssen strengere Maßstäbe angelegt werden. Heute gilt unabhängig vom Alter folgende Einteilung (Hochdruckliga 2013):

Klassifikation systolisch   diastolisch
Optimal <120 und <80
Normal 120-129 und/oder 80-84
Hochnormal 130-139 und/oder 85-89
Hypertonie Grad 1 140-159 und/oder 90-99
Hypertonie Grad 2 160-179 und/oder 100-109
Hypertonie Grad 3 ≥180 und/oder ≥110
isolierte systolische Hypertonie ≥140 und <90

Anmerkung: Wenn systolischer und diastolischer Blutdruck bei einem Patienten in unterschiedliche Klassen fallen, dann findet die höhere Klasse Anwendung.

Da der Blutdruck in Stresssituationen steigt, ergeben Messungen in der Arztpraxis oft einen zu hohen Wert (sog. "Weißkittelhypertonie"). Messungen durch den Arzt sollten daher bei mehreren Gelegenheiten durchgeführt werden oder durch eigene Messungen zu Hause überprüft werden.

Symptome und Verlauf

Bluthochdruck ist eine heimtückische Krankheit, da die meisten Betroffenen sehr lange keine Beschwerden haben. Ein jahrelang unbehandelter Hochdruck belastet Herz und Gefäße und schädigt durch Arteriosklerose andere Organe (z. B. Herz, Nieren, Augen, Gehirn). Diese Schäden werden durch zusätzliche Risikofaktoren (Diabetes mellitus, Alkohol- und Nikotinmissbrauch, erhöhte Blutfettwerte) noch verstärkt oder beschleunigt.

Zusammenhang zwischen Bluthochdruck (Hypertonie) und erektiler Dysfunktion

Für eine erektile Dysfunktion bei Hypertonie kann es mehrere Ursachen geben:

  1. Die durch einen lange Zeit unbehandelten hohen Blutdruck verursachten Gefäßveränderungen und -schädigungen können zu einer erektilen Dysfunktion führen.
  2. Eine Reihe von blutdrucksenkenden Medikamenten hat als Nebenwirkung eine ED zur Folge.
  3. Unabhängig von eingesetzten Medikamenten kann auch die Senkung des erhöhten Blutdrucks auf Normalwerte eine verringerte Durchblutung des Penis bewirken und dadurch eine schlechtere Erektion verursachen.

Bei der Behandlung der Hypertonie wird in der Regel erst einmal versucht, mit einem einzigen Wirkstoff auszukommen. Erst wenn dieser nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führt, wird er mit einem anderen Wirkstoff kombiniert. Dies ist in der Regel ein harntreibendes Medikament, ein sogenanntes Diuretikum. Als Diuretikum werden oft Thiazide (vor allem Hydrochlorothiazid) und chemische Verwandte (Trichlormethiazid, Chlortalidon, Metolazon) eingesetzt. Sie stehen nach der medizinischen Fach-Literatur (Rote Liste, Porst 2000) im Verdacht, Potenzstörungen durch Senkung des gesamten Testosterons und damit des freien Testosterons und durch Verarmung der intrazellulären Zink-Speicher zu verursachen.

Beta-Blocker können die Sexualfunktionen auf dreierlei Weise verschlechtern: erstens die glatte Schwellkörpermuskulatur kann kontrahieren, zweitens wird die Testosteronbildung und damit das freie Testosteron herabgesetzt und drittens haben sie zentral, also auf das Gehirn bezogen, ganz allgemein eine dämpfende Wirkung (Porst 2000, S. 85). Das bedeutet geringere Libido und eine schlechtere Erektion und damit ED. Auch wenn diese Nebenwirkung selten ist, nutzt das dem Betroffenen gar nichts. Ärzte wiegeln hier häufig ab. Die Einnahme von Beta-Blockern sollte man vermeiden.

Die Kombination eines Beta-Blockers mit einem Thiazid kann also ein sehr wirksamer Erektions"killer" sein.

Tipps zur Behandlung der erektilen Dysfunktion bei Bluthochdruck (Hypertonie)

Die folgenden Informationen sind als Vorbereitung für ein Gespräch mit Ihrem Arzt gedacht. Bitte setzen Sie auf keinen Fall ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ein Mittel gegen Bluthochdruck ab!

  1. Versuchen Sie in Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt Wege zu finden (Stressabbau, Gewichtsreduktion, kochsalzarme Ernährung, regelmäßiges Ausdauertraining, ausreichend Schlaf, Entspannungstherapien, reduzierter Alkoholgenuss), die Ihnen mittelfristig erlauben, ohne blutdrucksenkende Medikamente zu leben.
  2. Bitten Sie Ihren Arzt unter Hinweis auf Ihre Erektionsstörung um ein anderes Präparat. Als Alternative bieten sich die Wirkstoffe aus der Gruppe der Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten oder Sartane an. Von diesen hat das Valsartan (Präparate Diovan®, Provas®, Cordinate®) nach neueren Studien und das Losartan (Präparat Lorzaar®) sogar einen positiven Effekt auf die Erektion (Deutsches Ärzteblatt vom 2.3.2001, Ärzte Zeitung vom 29.9.2003). Die Suche nach einem geeigneten Mittel zur Einstellung des Blutdrucks kann sich sehr langwierig gestalten, da oft mehrere Wirkstoffe erprobt werden müssen. Auf jeden Fall sollten Sie hartnäckig sein, bis das für Sie geeignete und verträgliche Mittel gefunden ist. Dabei sollte man nach Möglichkeit auf eine Kombination mit einem Diuretikum (Thiazid) zur Verstärkung der Blutdrucksenkung verzichten.
  3. Wenn bei keinem der getesteten Mittel zur Blutdrucksenkung die Erektion wieder besser wird, dann kann natürlich die Erektionsstörung mit der Einnahme eines PDE5-Hemmers (Cialis®, Levitra®, Spedra® oder Viagra®), mit der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) oder mit der Vakuumpumpe behandelt werden. PDE5-Hemmer dürfen nicht gleichzeitig mit Nitro-Präparaten, Nitroglycerin oder Stickstoff-Donatoren eingenommen werden (Böhm u. a. 2004; Kloner 2007).

Weiterführende Informationen

Internetseiten zum Thema Bluthochdruck (Hypertonie)

Medizinische Fachliteratur

Diese Seite wurde von Nicht-Medizinern erstellt. Die Autoren haben dazu sorgfältige Recherchen durchgeführt. Die Informationen auf dieser Seite sollen Ihnen bei der Vorbereitung eines Arztbesuchs helfen und das Gespräch mit dem Arzt erleichtern. Sie können keinesfalls das Gespräch mit dem Arzt ersetzen!