Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Erektionsstörung: Ursachen, Behandlung, Kosten, Erfahrungen - von Betroffenen

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Behandlung (Therapie) der erektilen Dysfunktion:
Pflanzliche Mittel

Eine Suche mit Google nach "natürlich" und "Potenzmittel" liefert -zigtausende von Treffern, viele davon sind Seiten von Händlern. Es geht hier offensichtlich um einen heiß umkämpften, lukrativen Markt. Die angebotenen Produkte enthalten in der Regel mehrere pflanzliche Mittel, die in verschiedenen Kulturen schon seit vielen Jahrhunderten zur Behandlung von Sexualstörungen angewandt wurden.

Die Anbieter dieser Mittel werben mit verlockenden Versprechungen: "keine Nebenwirkungen, da rein pflanzlich", "100% wirksam", "wissenschaftlich getestet", "keine peinlichen Arztbesuche", "Geld-zurück-Garantie". Dazu kommen euphorische Erfahrungsberichte von Paaren, die nun dank des neuen Mittels bisher unbekannte Wonnen erleben. Auf unserer Seite Werbung für "natürliche" Potenzmittel kritisch betrachtet bewerten wir einige dieser Aussagen.

Was steckt hinter diesen Potenzmitteln? Kann man solcher Werbung vertrauen? Da uns diese Fragen oft gestellt werden, behandeln wir in diesem Artikel folgende Themen:

  1. Sind pflanzlichen Mittel die bessere Arznei?
  2. Traditionelle Naturheilmittel gegen Erektionsstörungen
  3. Fazit: Ist ein Versuch mit pflanzlichen Potenzmitteln sinnvoll?
  4. Weiterführende Literatur

Zunächst ein paar kurze Erklärungen. Chemisch-synthetische Arzneimittel enthalten nur einen einzigen oder sehr wenige Wirkstoffe. Bei einem pflanzlichen Arzneimittel (Fachberiff: Phytopharmakon, Mehrzahl: Phytopharmaka) ist das anders. An die Stelle weniger Wirkstoffe tritt hier ein Stoffgemisch, das sich aus vielen unterschiedlichen Einzelsubstanzen zusammensetzt, die zusammen die Wirkung ausmachen. Man kann aus einer Pflanze auch einen einzelnen Wirkstoff isolieren. In diesem Fall spricht man von einem Reinstoff und nicht mehr von einem Phytopharmakon.

Sind pflanzliche Mittel die bessere Arznei?

Viele Menschen glauben, dass pflanzliche Mittel im Gegensatz zur "chemischen Keule" ein sanfter und ungefährlicher Weg zur Vorbeugung und Behandlung von vielen Krankheiten sind. Dabei wird völlig übersehen, dass es viele gefährliche Pflanzen gibt - sogar medizinisch verwendete -, mit denen man sich umbringen kann, wie beispielsweise die Tollkirsche (Atropin), die Engelstrompete (Hyoscyamin) oder der Fingerhut (Digitalis). Außerdem sind auch die Wirkstoffe in Pflanzen letztlich chemische Verbindungen. Pauschale Aussagen über pflanzliche Mittel sind daher nicht sinnvoll, für jedes einzelne Mittel muss man Vorteile und Nachteile abwägen.

Generell können bei pflanzlichen Mitteln folgende Probleme auftreten (Ernst 1999, STERN 2002, TAZ 2008):

  1. Nebenwirkungen

    Es gibt etliche pflanzliche Mittel, die deutlich weniger Nebenwirkungen als synthetisch hergestellte Wirkstoffe haben, aber genauso gut wirken. Beispiele dafür sind Johanniskraut-Präparate, die sich gut gegen leichte bis mittel­schwere Depressionen eignen, und Ginkgo-Präparate, die bei Durch­blutungs­störungen helfen. Aber grundsätzlich können bei pflanzlichen Mitteln viele unerwünschte Wirkungen auftreten, vom eher harmlosen Durchfall bis zu schweren Leberschäden.

  2. Wechselwirkungen mit Medikamenten

    Pflanzliche Mittel können die Wirkung von anderen Medikamenten verstärken oder abschwächen. So kann die gleichzeitige Einnahme von Ginkgo und gerinnungshemmenden Mitteln zu schwer zu stillenden Blutungen führen. Es ist daher wichtig, dass man dem Arzt die Einnahme von pflanzlichen Mitteln nicht verschweigt.

  3. Unterdosierung

    Rezeptfreie Mittel enthalten oft zu geringe Mengen der wirksamen Bestandteile.

Wenn der Hersteller des Arzneimittels keine seriöse Pharmafirma ist, dann können folgende zusätzliche Probleme auftreten:

  1. Verunreinigungen

    Die Pflanzen können von Insekten befallen oder mit Schwermetallen und Pflanzenschutzmitteln belastet sein. Bei unsachgemäßer Lagerung und Transport kann Schimmel auftreten.

  2. Unzulässige Beimischungen

    Damit ein "natürliches" Potenzmittel gut wirkt, mischen manche Hersteller auch den Wirkstoff eines PDE5-Hemmers (Cialis, Levitra, Viagra) oder völlig ungetestete ähnliche Stoffe unter die Bestandteile, ohne dies anzugeben. Das kann im Extremfall tödlich enden.

  3. Unbekannte Zusammensetzung des Präparats

    Bei vielen Mitteln nicht sicher, ob sie alle in der Beschreibung erwähnten Stoffe tatsächlich enthalten und ob es nicht noch andere Inhaltsstoffe gibt. Auch eine Mengenangabe fehlt oft. Zur Begründung wird die genaue Zusammensetzung als Geschäfts­geheimnis ausgegeben. Die existierenden Gegenbeispiele zeigen, dass das eine faule Ausrede ist.

Traditionelle Naturheilmittel gegen Erektionsstörungen

Pflanzliche Heilmittel werden seit Jahrtausenden in allen Kulturen angewandt. Von diesem gesammelten Wissen profitiert auch die moderne Medizin. Viele Wirkstoffe in den heute verfügbaren Medikamenten stammen aus Pflanzen. Beispiele dafür sind Aspirin, dessen Wirkstoff auf die in vielen Pflanzen enthaltene Salicylsäure zurückgeht und Morphium, das vom Mohn abstammt. Natürlich wurde auch in vielen Kulturen schon seit Jahrtausenden nach wirksamen Mitteln gesucht, die sexuelle Probleme beseitigen oder einfach nur die Lust steigern. Die heute erhältlichen natürlichen Potenzmittel enthalten in der Regel mehrere dieser traditionell eingesetzten Pflanzen aus unterschiedlichen Regionen. Beispiele für solche Pflanzen sind:

In vielen Präparaten ist auch der Reinstoff L-Arginin enthalten. Deshalb wird hier auch kurz auf die Rolle von L-Arginin eingegangen.

Nahrungsmittel mit hohem L-Arginin-Gehalt
(Burgerstein 2007, Seite 236)

Nahrungsmitel Menge Arginin-
gehalt
Erdnüsse 100 g 3.460 mg
Sojabohnen 100 g 2.200 mg
Haselnüsse 100 g 2.030 mg
Garnelen 100 g 1.740 mg
Hammelfleisch, Filet 100 g 1.400 mg
Huhn, Brust 100 g 1.350 mg
Thunfisch 100 g 1.250 mg
Weizenkeime 50 g 1.150 mg
Haferflocken 100 g 870 mg
Hühnerei, mittelgroß 1 450 mg

Bei der Entstehung einer Erektion spielt der Botenstoff (Neuro­transmitter) Stickoxyd (NO) eine wesentliche Rolle. NO wird von den für die Erektion verant­wortlichen Nerven und danach auch von der Innenwand (Endothel) der Blutgefäße freigesetzt und bewirkt über eine komplizierte biochemische Reaktions­kette eine Entspannung der glatten Gefäß­muskulatur in den Schwell­körpern. Dadurch werden die Blutgefäße weit gestellt, Blut strömt ein und die Erektion beginnt.

Der Körper bildet NO aus der Aminosäure L-Arginin. Normalerweise steht genügend L-Arginin als Quelle des NO zur Verfügung, weil der Körper es selbst bilden kann und man bei einer ausge­wogenen Ernährung täglich ausreichend 3 bis 5 Gramm zu sich nimmt. Falls dennoch nicht genügend NO gebildet wird, kann die zusätzliche tägliche Einnahme von 5 bis 10 Gramm L-Arginin sinnvoll sein.

Weitere Informationen zu L-Arginin:
Information zu L-Arginin von der U.S. National Library of Medicine
Eintrag zu L-Arginin in der Wikipedia

Fazit: Ist ein Versuch mit pflanzlichen Potenzmitteln sinnvoll?

Bei den angebotenen natürlichen Potenzmitteln ist große Skepsis angebracht. Allerdings enthalten sie in der Regel pflanzliche Bestandteile, die in vielen Kulturen schon seit Jahrhunderten gegen sexuelle Störungen und zur Steigerung der Lust eingesetzt werden. Natürlich sind diese Bestandteile nicht alle ohne Wirkung. Es kann sich daher bei leichten bis mittelschweren Erektionsstörungen durchaus lohnen, das eine oder andere Mittel auszuprobieren. Der Einsatz dieser Mittel sollte allerdings nicht planlos geschehen und nicht als erste oder gar einzige Maßnahme gegen die Erektionsstörung vorgesehen werden. Eine vernünftige Vorgehensweise könnte folgendermaßen aussehen:

  1. Gespräch mit der Partnerin

    Erektionsstörungen betreffen auch die Partnerin. Wenn sie mit einem Behand­lungs­versuch Schwierig­keiten hat, weil sie beispiels­weise gesund­heitliche Probleme befürchtet, dann hilft das beste Mittel nichts. Entgegen den Befürchtungen vieler Männer ist die Partnerin in einer intakten Beziehung der wichtigste Verbündete gegen die Erektionsstörung. Das Gespräch mit ihr ist durch nichts zu ersetzen.

  2. Arztbesuch zur Klärung der Ursachen

    Die Ursachen der Erektionsstörungen sollten diagnostiziert werden, denn nur dann kann man sie in manchen Fällen beseitigen. Das ist selbst­verständ­lich sinnvoller, als nur die Symptome zu bekämpfen.

  3. "Natürliche" Maßnahmen zur Verbesserung der Erektionsfähigkeit

    Abhängig von den Ursachen können einige einfache Maßnahmen die Erektions­fähigkeit verbessern. Es ist immer sinnvoll, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber auch mehr Bewegung, gesunde Ernährung, Gewichts­reduzierung und Beckenbodengymnastik können helfen.

  4. Test mit Cialis®, Levitra® oder Viagra®

    Ein Test mit diesen verschreibungspflichtigen Medikamenten bietet einen Vergleich bei der Suche nach Alternativen. Um ein optimales Ergebnis zu erhalten, muss man allerdings ein paar Regeln bei der Einnahme beachten. Wenn diese Medikamente nicht wirken, wovon man aber erst nach 6 bis 8 negativen Versuchen mit der Höchstdosis ausgehen kann, dann ist es auch nicht sinnvoll, nach natürlichen Mitteln zu suchen.

  5. Informationen über natürliche Potenzmittel

    Zur Beurteilung der angebotenen Mittel ist es hilfreich, sich Kenntnisse über traditionelle Mittel gegen Sexual­störungen anzueignen. Dazu eignen sich die im Literaturverzeichnis angegebenen Bücher von Esser und Zittlau.

  6. Gezielte Auswahl von Produkten

    Als erstes sollten die angegebenen Wirkungen bewertet werden. Sind sie realistisch? Eine Anzeige, die erhöhte Libido, stahlharte Erektion, Sex die ganze Nacht, volle Zufriedenheit der Partnerin und als Zugabe eine Penis­ver­größerung verspricht, ist es nicht wert, dass man sich damit beschäftigt. Dann sollte man sich den Anbieter ansehen: Gibt es ein Impressum? Liegt die angegebene Adresse in der EU? Schließlich lohnt sich noch ein Blick auf die Produkt­beschreibung: Werden Inhaltsstoffe und Mengen genannt? Sind die Mengen der einzelnen Bestandteile ausreichend?

Weiterführende Literatur

Gesetze, Ratgeber, Artikel in Zeitungen und Zeitschriften

Fachliteratur

Diese Seite wurde von Nicht-Medizinern erstellt. Die Autoren haben dazu sorgfältige Recherchen durchgeführt. Die Informationen auf dieser Seite sollen Ihnen bei der Vorbereitung eines Arztbesuchs helfen und das Gespräch mit dem Arzt erleichtern. Sie können keinesfalls das Gespräch mit dem Arzt ersetzen!