Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

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Verlust an sexuellem Interesse (Libidoverlust) nach radikaler Prostata-Op (Prostatektomie)

Nach einer radikalen Prostata-Op leiden viele Männer unter einem Verlust an sexuellem Interesse. Angaben für die Häufigkeit liegen zwischen 45% (Schmittges 2011) und 80% (Salonia 2012). Grundsätzlich kann ein Libidoverlust körperliche (Störungen im Hormonhaushalt) und psychische Ursachen haben. Da weder der Prostatakrebs selbst noch die Operation direkte Auswirkungen auf die Hormonproduktion haben, stehen nach einer Operation eindeutig psychische Gründe im Vordergrund. Das ist leicht nachzuvollziehen. Die Furcht, der Krebs könne wieder kehren, die Trauer wegen sexueller Störungen und das Gefühl, kein richtiger Mann mehr zu sein, haben einen lähmenden Einfluss. Das offene Gespräch mit der Partnerin und der Austausch mit anderen Betroffenen kann den Blick weg von den Defiziten hin zu den noch vorhandenen Möglichkeiten sexueller Aktivitäten lenken. Auch eine psycho-onkologische Beratung kann neue Perspektiven eröffnen.

Viele Männer mit Prostatakrebs sind in einem Alter, in dem unabhängig von der Krebstherapie die Produktion von Testosteron nachlässt und unter Anderem einen Libidoverlust verursachen kann. Normalerweise wird ein Symptome verursachender Testosteron­mangel durch eine Testosteron­substitution behandelt. Da aber Testosteron das Wachstum von Prostatakrebs beschleunigen kann, war diese Therapie lange Zeit für Prostatakrebs-Patienten tabu. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass diese Gefahr überschätzt wurde. Einige kleinere Studien haben gezeigt, dass eine Testosteron­substitution nicht zu mehr Rezidiven führt. Die genauen Bedingungen für eine Substitution ohne erhöhtes Rezidiv-Risiko müssen noch geklärt werden. In der S3-Leitlinie Prostatakarzinom (DGU 2014) steht die folgende Empfehlung:

Eine Testosteronsubstitution nach kurativer Therapie eines Patienten mit Prostatakarzinom und Zeichen von Hypogonadismus kann die Lebensqualität verbessern. Der Einfluss auf das Rezidivrisiko ist aufgrund der Datenlage gegenwärtig unklar, deswegen sollte eine besondere Aufklärung und Überwachung des Patienten erfolgen.

Literatur