Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Erektionsstörung: Ursachen, Behandlung, Kosten, Erfahrungen - von Betroffenen

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Wochenende

Wochenende, endlich Wochenende. Gott, wie freue ich mich! Die letzte Zeit war aber auch stressig. Ständig auf Hochdruck, immer was zu tun, ständig Angst oder Sorge, das irgend etwas nicht funktioniert. Habe den letzten Auftrag grade außer Haus gegeben. Bin nicht mehr verantwortlich! Kinder sind weg, nicht mehr verantwortlich! Bin eingeladen auf eine Veranstaltung. Das Programm wird mir wie die Getränke serviert. Nicht verantwortlich! Zuhause wartet mein Schatz. Er will alles tun für unsere Zukunft, für unser Glück. Ich habe wieder begonnen, ihm zu glauben. Ich kann seine Liebe einfach genießen, auf mich einwirken lassen. Einfach mal nehmen, nicht verantwortlich.

Ich merke, wie die Last von meinen Schultern fällt, ich mich entspanne. Ich lasse das Programm an mir vorbei rauschen, freue mich einfach nur aufs Heimkommen. Möchte meine Nase zwischen seinen Hals und seine Schulter vergraben, möchte in riechen. Meine Hand unter sein Shirt gleiten lassen, ihn fühlen. Möchte mich auf der Couch mit ihm wälzen, einfach unsere Liebe neu genießen. Ich freue mich. Merke, wie die Erregung in mir steigt. Morgen lange ausschlafen, glücklich miteinander aufwachen. Ich möchte mit ihm morgen endlich mal in diesen Laden gehen, wo wir schon so lange mal hinwollten. War heute kurz da drin, ich weiß er wird 1.000 Dinge finden, die ihm gefallen. Ich sehe uns schon, glücklich wie die Kinder da durch gehen, verschiedene Dinge in die Hand nehmen, lachen, küssen. Ich freue mich.

Zu Hause.
Keiner liegt entspannt auf der Couch. Keiner da. Keiner, der mich in den Arm nimmt. Keiner, in dessen Hals ich meine Nase vergraben kann. Keiner, der mit mir die Ent-Spannung des Abends genießt. Warum? Wo? Ich höre Geräusche von oben. Er kommt die Treppe runter, der Anflug von Enttäuschung in mir rennt davon. Ich grinse breit, freue mich noch immer. Er schnappt sich den Besen, ich komme gleich wieder. Verschwindet im Bad. Gepolter.
Hey, Moment mal, wir haben nach Mitternacht, es ist Freitag, wir haben das ganze Haus für uns allein. In welchem Film bin ich gelandet?
Er kommt wieder, grinst breit. Er hat den ganzen Abend geputzt und sauber gemacht. Damit er nicht auf der Couch einschläft bis ich wieder da bin. Na, ich hätte ihn schon wach gekriegt. Finde es aber süß von ihm. Dann brauchen wir uns morgen keinen Kopf zu machen und haben alle Zeit für uns. Auch wenn mich das Häufchen Kram, das er hinter der Waschmaschine hervorgeholt hat, jetzt echt abnervt. Ich gucke weg, Ich will genießen. Dieses Wochenende. Ihn. Das haben wir uns echt verdient nach all dem Stress.
Video? Na, gut. Egal wie spät es jetzt ist, wir haben alle Zeit der Welt. Dieses Wochenende. Wir beide.

Der Film ist doof. Ich höre ihn schon nach 10 Minuten schnarchen. Toll. Aber ist ja nicht schlimm. Ich will mich nicht aufregen. Immerhin ist er ja auch (wie ich ) um 5.00 Uhr aufgestanden. Und hat den ganzen Abend hier rumgeputzt. (Wer wollte das eigentlich?) Egal, wir haben ja das ganze Wochenende Zeit. Ausgeschlafen ist es bestimmt auch viel schöner. Ich tröste mich mit dem Gedanken und schütte mir ein Glas Rotwein ein. Vielleicht kommt dann der Frust nicht hoch. Frust? Ja, Frust. Ich fühle mich ungeliebt, abgelehnt. Keinen Kuss, keine Fummelei, nix. Abgelehnt, ungeliebt, nicht begehrt. Alt. Alt? Scheiß Frust. Beschließe ihn zu wecken und ins Bett zu gehen, bevor ich beschließe, den Frust zu ertränken.

Brrrrrr....der Wecker! Kann nicht sein, ist doch hell draußen. Ahh, wir haben Samstag morgen, 10.00 Uhr. Klasse, ich fühle mich relativ erholt, ausgeschlafen, frei, Wochenende! Ich liebe es!

Er räkelt sich. Jetzt, jetzt.... ich freue mich. Jetzt fängt das Wochenende an und der Neuanfang unserer Liebe! Er dreht sich zu mir um, stützt sich auf, grinst. Mmmh, du könntest ruhig schon mal deine Hand unter der Decke wandern lassen..... "Schatz, ich mache Dir Frühstück!" Sprach's, drückte mir ein Küsschen auf die Wange und war weg. Mist, wer redet denn hier von Frühstück? Ich rolle mich wieder zusammen, versuche noch etwas von der Wärme des Schlafs zu erhaschen. Will mich einschmeicheln lassen von Wärme, Berührung und schönen Träumen. Später, bestimmt. Aber es klappt nicht. Als würden Teufelchen und Engelchen aus der Werbung real in meinem Hirn existieren fangen die Stimmen an. "Später? Du armer Tropf. Das wird nie was!" "Halt die Klappe. Er hat gesagt, er will mich glücklich machen. Mich auf Händen tragen. Mich lieben und ehren!" Scheiße, der Frust kommt wieder, lässt die Tränen schießen. Ich will nicht heulen. Will uns/mir nicht die Chance verderben, die sich vielleicht noch auftut an diesem Wochenende. Außerdem ist es doch lieb von ihm mir Frühstück zu machen. Ich beschließe jetzt einen Kaffee zu wollen. Springe aus dem Bett, den letzte Rest von Schwung und Begeisterung zusammen kratzend. Im Bad schnell einmal kaltes Wasser, er soll nix merken. Unter Druck wird das nie was, das weiß ich.

Irgendwie ist der Frust oder auch das Teufelchen sehr ausgeruht heute morgen. Sie lassen mich nicht in Ruhe. Meine Stimmung schwankt bedenklich. Ich will Liebe! Er merkt es. Er soll es nicht merken. Ich will keinen Streit, keine Beleidigungen. Ich will ein liebevolles Wochenende. Wir beratschlagen, was heute zu tun ist. Ich muss noch einen Auftrag erledigen, 10 Minuten, kein Problem. Wir könnten während dessen in dem Geschäft stöbern. Er muss noch was erledigen, auch kein Problem. Wir haben viel Zeit. Aber er will alleine fahren, oder jedenfalls nicht mit mir zusammen. Wie auch immer, ich will keinen Streit. Der Traum vom lachenden, glücklichen Pärchen, das durch die Regalreihen wandert kommt in die Kiste, wo schon der Traum von Sex am Freitagabend und der vom Sex am Samstagmorgen liegen. Wenigstens ein anderes Bild, als das von zärtlichen, verschmusten und auch kopulierenden Paaren. Bin ich am Ende doch nur sexgeil?

Knapp zwei Stunden später treffen wir uns wieder am Küchentisch. Ich bin total down. Zu den geplatzten Träumen in der Kiste kommt ein neuer. Ich habe kein Geld auf dem Konto. Also kann ich wieder nicht machen, wie oder was ich will. Es ist zum Ko.... Eigentlich wollte ich sowieso nix machen, außer mit meinem Schatz zu Hause bleiben, Rollladen runter und..... Vielleicht noch ein paar leckere Sachen einkaufen um das Wochenende zu zweit richtig zu genießen. Aber von genießen kann ja jetzt überhaupt keine rede mehr sein. Ich bin voll frustriert. Schatz will einkaufen. Na, soll er doch. Ich mag nicht mehr. Ich sehe den Silberstreifen am Horizont nicht mehr. Bemerke selber, dass der Frust immer schneller und immer gründlicher kommt. Das macht mich wütend. Was kann ich für seine Unlust? Warum kann er damit so ruhig leben und mich macht es in einer Tour fertig? Er meint, ich sei komisch drauf. Na toll. Am liebsten möchte ich ihm meinen Frust ins Gesicht schreien. Aber ich weiß, dass das nicht funktioniert. Er ist nicht bereit mit mir über das Thema zu sprechen. Das es mich zerstört scheint er gar nicht zu merken. Also sein Plan, wie es jetzt weitergeht. Ich habe keine mehr. Jedenfalls keine, die sich realisieren lassen. Einkaufen und sauber machen. Schon wieder! Ich hasse es. Ich hasse Hausputz im allgemeinen und es reicht mir, wenn ich das mache, wenn die Kinder zu Hause sind und sowieso nix anderes auf dem Plan steht. Jetzt auch noch Hausputz, wenn wir allein sind? Und das soll mein Glück sein? Ich bin undankbar, ich weiß. Andere Frauen wären sicher glücklich, wenn ihnen der Mann soviel helfen würde. Lasse ihn allein einkaufen. Er kauft Lachs und lauter leckere Sachen. Was will er denn feiern? Die saubere Wohnung? Sicher nicht die tolle Frau in seinem Leben. Ich versuche, wieder runter zu kommen. Das hat so keinen Zweck. Immerhin haben wir Samstagnachmittag. Wenn ich mich jetzt zusammen reiße, kann's ja vielleicht doch noch schön werden. Ich nehme mir die Bügelwäsche vor und versuche mich mit Arbeit zu betäuben. Leider stellt Bügeln das Denken nicht ab. Und den Frust auch nicht.

Er macht und tut und arbeitet und putzt und wienert, was das Zeug hält. Wahrscheinlich wird er wieder bis in die Nacht putzen. Ist mir auch egal. Ich lasse es jetzt darauf ankommen. Bin nett und freundlich und versuche mein Bestes zu geben. Beschließe trotzdem, nach dem Bügeln (es ist mittlerweile nach 18.00 Uhr) baden zu gehen und nix mehr zu tun. Ich freue mich aufs Baden. Scheint langsam zur Manie zu werden mit der Baderei. Ich will einfach nur das warme Wasser um meinen Körper fühlen, mich eingehüllt von Wärme und Zärtlichkeit fühlen. Bei den Gedanken kommen wir sofort wieder die Tränen. Warum nur? Warum gibt es für ihn keine Lust, während ich meine kaum zu zügeln weiß?

Ich genieße das Bad, mein Buch ("Hemmungslose Leidenschaft" - vielleicht nicht die richtige Lektüre, aber sollte ich lesen "Wie sie ihren Fußboden wieder auf Hochglanz bringen!") und ein Glas Wein. So früh schon, aber langsam trinke ich ihn wirklich, um meinen Frust zu betäuben. Vielleicht lässt sich die Situation so besser aushalten?

Er bemerkt meinen Frust und wird sauer auf mich. Schließlich tut er alles für uns. Hat auch eingekauft, weil ich mal wieder kein Geld hatte. Klasse. Ich flüchte in die warme, einschmeichelnde Zärtlichkeit der Badewanne. Er kommt rein, will seine Haare waschen. Kein Blick auf meine Brüste, die kaum bedeckt vom Schaum aus dem Wasser gucken. Ich steige langsam aus der Wanne, trockne mich ab, creme mich demonstrativ ruhig und langsam überall ein. Er spricht über irgendwas. Keine Ahnung worüber, nebensächlich. Er scheint mich und meine Nacktheit gar nicht mehr zu bemerken. Ich steige in meine Klamotten, etwas in meinem Inneren zerbirst. Aus, tot, vorbei. Ich will Liebe. Lieben und geliebt werden, Liebe, Lust und Leidenschaft. Genau so und nicht Liebe, Frust und Putzeimer.

Er bemerkt meine Laune. Es eskaliert endgültig. Ich kann den Frust nicht mehr kontrollieren, fühle mich leer, ausgebrannt und tot. Sage es ihm. Will, dass er mich zumindest in den Arm nimmt. Tröstet, beruhigt, mit mir spricht. Auch über seine Unlust. Über uns. Wie das funktionieren soll. Ich will, das er was dagegen tun will! Aber er rechnet auf. Was er alles getan hat für uns. Wie er sich verausgabt. Wie dankbar ich sein könnte. Und ich, ich habe immer nur Sex im Kopf! Ich will doch gar keinen puren Sex. Ja, vielleicht den manchmal auch. Aber ich will Lust. Viel Lust!

Meine Tränen scheinen nicht versiegen zu wollen. Seine Worte auch nicht. Wenn er doch endlich ruhig wäre und sich um mich kümmern würde, anstatt sich zu rechtfertigen. Böse Worte, viele Tränen, dann ein Einlenken von ihm. Gut, das ist schon mal ein Fortschritt. Habe ich in letzter öfters bemerkt, dass er sich bemüht einzulenken anstatt weg zu laufen. Ich will uns nicht im Weg stehen. Also schlucken, ruhig werden, glauben, hoffen, dass er bemerkt, das es 5 vor 12 ist. Couch, Arm, Fernsehen. Er macht keine Anstalten, evtl. einmal unter meinen Pulli zu gehen, oder mir wenigstens einen ausgiebigen Zungenkuss zu geben. Toll, ich werde immer anspruchsloser. Bald bin ich schon mit einem Kuss zufrieden.

Ich nehme den Wein. Er wärmt von innen und tröstet. Lässt mich später schnell einschlafen. Ich will nicht wieder hören, wie er neben mir einschläft, kaum dass er sich entspannt. Manchmal denke ich, er arbeitet extra so hart und viel, dass er nicht mehr in der Lage ist, die Augen offen zu halten, kaum das er sich entspannt.

Natürlich bekomme ich am Sonntag wieder Frühstück gemacht, wie lieb. Ich verschaffe mir Arbeit am PC. Muss mich zurück ziehen, will nicht mehr denken, fühlen, hoffen, leiden.

Er sagt mir abends: "Ich liebe Dich, auch wenn wir dieses Wochenende keinen Sex hatten." Ja, das weiß ich, sonst wäre ich nicht mehr hier bei Dir, denke ich mir. Aber wie lange werde ich noch mit Dir zusammen sein? Ich möchte Dich nicht deswegen verlassen, aber ich merke, wie sich eine Kälte in mir ausbreitet, die mich vor neuen Hoffnungen/Enttäuschungen schützen will. So wird das nix mit uns. "Tu was" möchte ihm entgegenschreien. Sage stattdessen "Ich liebe Dich auch".