Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Erektionsstörung: Ursachen, Behandlung, Kosten, Erfahrungen - von Betroffenen

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Erlebnisbericht: Mein Partner hat(te) ED

Wie es begann:

Bereits unsere erste "Annäherung" scheiterte. Es war ein starkes Verlangen da, was allerdings nicht "umgesetzt" werden konnte. Er kannte dies aus seinen Ex-Beziehungen, die ersten Wochen kam es wohl immer mal vor. Also haben wir uns nicht viel dabei gedacht und waren der guten Hoffnung, dass diese "Phase" schnell vergeht.

Aber es wurde nicht besser. Wochenlang hofften wir darauf, dass "es" endlich funktioniert, wir miteinander schlafen können, wir zerrissen uns vor Sehnsucht nach dem anderen. Oft haben wir darüber gesprochen und sehr oft haben wir sicher unsere eigenen Gedanken gehabt.

Ich war immer mehr der festen Überzeugung, dass es nur an mir liegen kann, irgendetwas konnte an mir/mit mir nicht stimmen. Ich glaubte ihm nicht, dass er mich begehrenswert findet, ich glaubte ihm nicht, dass es nicht an mir liegt. Die Zweifel saßen wie ein Stachel ganz tief in mir und ich konnte sie nicht entfernen. Ich hörte ihm zu aber ich dachte ich höre Lüge ....

Es war so schwer seinen Worten glauben schenken zu können, mein Kopf war ein Wirrwarr der Gefühle und die Zweifel an mir selber taten teilweise sogar körperlich weh.

Es war ein Wechselspiel der Gefühle wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Mal war die Hoffnung und Sehnsucht da und wir versuchten miteinander zu schlafen, meist aber zog sich jeder zurück und dachte: "es geht ja eh nicht".

Ich denke, dass ich ihm sicher auch manches Mal das Leben schwer machte. Manch unnötige Bemerkung hat ihm sicher auch wehgetan, aber es war überwiegend meine Verzweiflung, nach Monaten konnte ich nicht glauben, dass er mich wirklich begehrt, wo doch nichts klappte.

Ich habe oft geweint, habe mich oft gefragt ob das so Sinn macht, habe oft überlegt, ob ich die richtige Partnerin für ihn bin. Auch alle Gespräche, die sehr offen waren, konnten mir nicht wirklich helfen. Ich kannte es so nicht und wusste auch keinen Rat. Da er bei der SB keine Probleme hatte war uns auch klar, es kann keine körperliche Ursache haben, aber die seelische konnten wir nicht finden.

In den Phasen des Mutes, des aufeinander Zugehens haben wir es geschafft, andere Wege der gegenseitigen körperlichen Befriedigung zu finden, aber letztendlich haben wir doch mehr den Rückzug angetreten und uns dabei sicherlich gegenseitig gequält.

Nach ungefähr 7 Monaten hatten wir eine Krise, die allerdings nichts mit der ED zu tun hatte. Dabei ging es nicht einmal um Sexualität, sondern um Sorgen und Zukunfts-Ängste in unserer Beziehung. Andys Leben unterschied sich extrem zu dem, von mir gewohnten Leben und dadurch sprach ich auch bei vielen Gelegenheiten von meiner vorherigen, 15-jährigen Beziehung (die ich für Andy beendet hatte). Bei Andy entstand der Eindruck, dass ich meiner Vergangenheit nachtrauere (was teilweise sicher auch zutraf, ich aber in mich reinfraß), dass es da etwas gab, was ich bei ihm vermisse. Das nagte an ihm, verunsicherte ihn. Aber dann wagte er es, die Situation anzusprechen. Und plötzlich redeten wir intensiv über ein Thema, das wir vorher größtenteils ausgeklammert hatten, weil wir auch wussten, dass wir da unterschiedlicher Meinung waren. Es wurde kein nüchternes, sachliches Gespräch, sondern wir konnten uns gegenseitig öffnen und uns auch von unseren Gefühle und Ängsten erzählen. Da erst erfuhr ich, wie sehr sich Andy, aufgrund meiner Erzählung aus der Vergangenheit, als zweite Wahl gefühlt hat. Mir war das nie so bewusst und erst dieses Gespräch öffnete mir die Augen, zeigte mir, wie oft ich ihn (unbewusst) verletzt und wohl auch teilweise gedemütigt habe. Ich habe verstanden, dass es ihm sehr wehgetan hat und habe letztendlich auch verstanden, dass wir nur eine Chance haben, wenn ich die Vergangenheit endlich als das ansehe was es ist, nämlich vergangen!

Tja und als ob dadurch ein Schalter umgelegt wurde, genau danach klappte der Sex von einem Tag auf den anderen. Ich vergesse nie die Nacht als wir im Bett lagen und schmusten und plötzlich konnten wir miteinander schlafen, er hatte überhaupt keine Probleme. Nun haben wir seit über 4 Monaten wunderschönen und erfüllenden Sex. Ich habe selten einen Mann so sehr begehrt wie ihn.....

Im Rückblick sieht es so aus, als wären wir manchen Umweg gegangen um dahin zu kommen, wo wir heute sind. Aber vielleicht gab es gar keinen geraden Weg. Und außerdem können schnurgerade Wege ja auch sehr langweilig sein und ob diese Wege uns auch weiterhelfen? Sind es nicht letztendlich die Umwege die uns zeigen, dass es andere Möglichkeiten und Wege gibt?

Ich hoffe nur, dass ich diese Erfahrung nie vergesse, wie befreiend es für uns war, uns all unsere Ängste, Verunsicherungen und Bedürfnisse zu erzählen. Das war nicht einfach, es hat Mut gekostet, da die Reaktion des Partners nicht vorauszusehen war. Aber ob wir heute noch ein Paar wären, wenn wir dieses Risiko nicht eingegangen wären?