Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

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Orgasmushemmung (verzögerter oder ausbleibender Orgasmus)

Definitionen

Ein gesunder Mann erlebt Samenerguss (Ejakulation) und Orgasmus gleichzeitig. Dabei handelt es sich aber um zwei von einander unabhängige Vorgänge, die einzeln gestört sein können. Es gibt daher auch einen Orgasmus ohne Ejakulation und eine Ejakulation ohne Orgasmus. In der Fachliteratur werden diese beiden Begriffe oft nicht auseinander gehalten. In diesem Artikel geht es um den Fall, dass sexuelle Aktivitäten innerhalb einer akzeptablen Zeit weder zu einem Samenerguss noch zu einem Orgasmus führen, und die Partner diesen Zustand als belastend empfinden. Meistens wird der Sex frustriert wegen Erschöpfung oder Schmerzen abgebrochen. Wenn der Orgasmus immer ausbleibt, dann bezeichnet man das auch als Anorgasmie.

Die Frage ist natürlich, was eine "akzeptable Zeit" zum Erreichen des Höhepunkts ist. Dazu gibt es keine allgemein gültige Festlegung. In der Praxis wird ein Arzt die Diagnose Orgasmushemmung stellen, wenn der Mann nicht innerhalb von 25 bis 30 Minuten zum Orgasmus kommt (McMahon 2013).

Wie bei anderen sexuellen Störungen unterteilt man auch die Orgasmushemmung nach folgenden Kriterien:

Eine situative Orgasmushemmung bedeutet, dass der Mann nur unter bestimmten Umständen (nur bei bestimmten Sexpraktiken oder Stellungen, mit bestimmten Partnerinnen) zum Orgasmus kommt. Häufig kann beispielsweise der Höhepunkt bei der Selbstbefriedung erreicht werden, aber nicht beim Geschlechtsverkehr. Eine generalisierte Orgasmushemmung tritt dagegen bei allen möglichen Begleitumständen auf.

Ursachen

Organische Ursachen

Auch ein altersbedingtes Nachlassen der Sensibilität des Penis kann zu einer deutlichen Verlängerung der Zeit bis zum Orgasmus führen.

Psychische Ursachen

Es gibt eine Reihe von Annahmen, welche psychischen Probleme eine Orgasmushemmung verursachen können. Dazu gehören beispielsweise eine streng religiöse und sexualfeindliche Erziehung, Ängste vor Kontrollverlust und eine Neigung zu nicht allgemein akzeptiertem Sexualverhalten. Diese und weitere solcher Vermutungen (Beier 2005, Seite 300-302) konnten aber bis jetzt nicht durch Studien untermauert werden.

Analog zur körperlichen Abstumpfung durch harte Selbstbefriedigung ist natürlich auch eine psychische Abstumpfung durch häufigen Pornokonsum möglich.

Behandlung

Stärkere Stimulation

Als erste Maßnahme bieten sich Versuche an, die Stimulation beim Sex zu erhöhen. Das könnte vorher durch eine entsprechende Einstimmung (gemeinsames Lesen einer erotischen Geschichte, Anschauen von erotischen Bildern, intensives Petting, usw.) oder beim Verkehr selbst (Einsatz von Sexspielzeug; Streicheln an besonders empfindlichen Stellen, wie z.B. Hodensack, Analgegend; dirty talk) geschehen. Das setzt allerdings voraus, dass sich die Partner über ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse unterhalten können und beide auch bereit sind, neue Wege auszuprobieren.

Wenn auf diesem Weg keine Abhilfe erreicht werden kann, dann ist ein Arztbesuch angesagt. Je nach möglichen Ursachen wird der Arzt eine der folgenden Behandlungsoptionen vorschlagen.

Behandlung von Krankheiten

Liegt eine Krankheit vor, die eine Ursache für die Orgasmushemmung sein kann, dann ist natürlich zunächst die Behandlung dieser Krankheit angesagt. Wird bespielsweise ein Testosteronmangel behandelt, dann kann das auch die Orgasmusfähigkeit verbessern.

Dosisreduzierung oder Austausch von Medikamenten

Wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden, die eine Orgasmushemmung auslösen können, dann kann mit einer Dosisreduzierung oder einem Austausch des Medikaments eventuell Abhilfe geschaffen werden.

Medikamentöse Behandlung der Orgasmushemmung

Es gibt keine zur Behandlung der Orgasmushemmung zugelassenen Medikamente. In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass einige für andere Krankheiten zugelassene Medikamente auch bei verzögertem oder ausbleibendem Orgasmus helfen können (sog. "off-label-use"). Beispiele dafür sind (McMahon 2013):

Psychotherapie

Wenn keine organischen Gründe für die Orgasmushemmung gefunden werden, dann ist eine Psychotherapie bei einem auf dem Gebiet der Sexualstörungen kompetenten Therapeuten sinnvoll. Der erste Schritt ist, die möglichen psychischen Ursachen einzugrenzen. Ein Ansatzpunkt dafür sind die Wahrnehmungen und Gefühle des Mannes beim Sex.

Weitere Informationen zum Thema

Medizinische Fachliteratur

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