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Dauererektion (Priapismus, prolongierte Erektion)

Der Begriff "Dauererektion" ist nicht exakt definiert. Wir verwenden daher im Folgenden hauptsächlich den medizinischen Fachbegriff "Priapismus".

Definition: Was versteht man unter Priapismus?

Ein Priapismus ist eine mehr als 4 Stunden anhaltende Erektion ohne sexuelle Erregung.

Man unterscheidet die folgenden Formen des Priapismus:

Da ein medizinischer Laie nicht sicher zwischen Low- und High-Flow-Priapismus unterscheiden kann, sollte bei jeder Erektion, die länger als 4 Stunden anhält, unverzüglich ein Urologe oder eine Klinik aufgesucht werden.

Ursachen des Priapismus

Ursachen des Low-Flow-Priapismus

Die häufigsten Ursachen sind:

Bei 30 bis 60 Prozent der Dauererektionen kann die Ursache nicht ermittelt werden. Man spricht dann von einem primären oder idiopathischen Priapismus.

Ein intermittierender Priapismus tritt besonders häufig bei jungen Männern mit Sichelzellenanämie auf. Auch kleine Jungen können davon schon betroffen sein.

Ursachen des High-Flow-Priapismus

Der High-Flow-Priapismus ist häufig die Folge einer Verletzungen im Damm- (Perineum) oder Genitalbereich. Beispiele:

Auch SKAT ohne Verletzung einer Arterie kann zu einem High-Flow-Priapismus führen.

Nach einer stumpfen Verletzung kann es Stunden oder wenige Tage dauern, bis der Priapismus einsetzt.

Erste Gegenmaßnahmen

Wenn die Erektion lange anhält, dann kann man mit folgenden "Hausmitteln" versuchen, die Erektion zu beenden:

  1. Kühlung des Penis und des Dammes mit in einem Waschlappen oder Handtuch eingewickelten Eiswürfeln. Man kann auch einen Waschlappen oder ein Handtuch in sehr kaltes Wasser tauchen, damit den steifen Penis umwickeln und durch leichtes Zudrücken das Blut in den Körper zurück drücken.
  2. Treppen auf- und abwärts gehen (nicht rennen).
  3. Sexuelle Stimulation, die zum Orgasmus führt.

Allerdings dürfen diese Maßnahmen nicht die rechtzeitige Fahrt in die Klinik verzögern.

Diagnose

Da die ärztliche Behandlung für Low-Flow- und High-Flow-Priapismus unterschiedlich ist und der Low-Flow-Priapismus sofortige Gegenmaßnahmen erfordert, muss so schnell wie möglich der Typ der Dauererektion festgestellt werden. Dabei geht der Arzt folgendermaßen vor:

  1. Anamnese

    Wichtige Informationen für die Diagnose sind: Erektionsdauer, Erstereignis oder Wiederholung, Begleit-Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, SKAT, Alkohol- und Drogenkonsum, Verletzungen.

  2. Körperliche Untersuchung

    Hier geht es um die äußere Erscheinung des Penis, die Schmerzhaftigkeit und Anzeichen von Verletzung im Dammm- und Genitalbereich. Bei einem Low-Flow-Priapismus ist der Penis prall gefüllt und empfindlich gegen Berührungen. Die Erektion verursacht Schmerzen, die mit der Erektionsdauer stärker werden. Beim High-Flow-Priapismus ist der Penis nicht vollkommen steif. Der Patient empfindet kaum oder keine Schmerzen.

  3. Laboruntersuchungen

    Es wird ein Blutbild (inklusive Differenzialblutbild) erstellt. Zusätzlich wird in dem aus den Schwellkörpern mittels Punktion erhaltenen Blut der Sauerstoff- und Kohledioxyd-Partialdruck sowie der pH-Wert bestimmt. Bei einem arteriellen Priapismus ist dieses Blut hellrot, bei einem veno-occlusiven Priapismus ist es dunkelrot.

  4. Farbduplexsonographie

    Mit einem modernen Ultraschallgerät (Farbduplexsonograph) werden der arterielle Zufluss und der venöse Abfluss in den Schwellkörpern bestimmt. Bei einem Low-Flow-Priapismus gehen beide Werte gegen Null.

Obwohl die Anamnese und die körperliche Untersuchung in vielen Fällen bereits eine mit hoher Wahrschein­lichkeit richtige Diagnose liefern, so sollte die Diagnose doch immer entweder mit der Untersuchung des im Penis gestauten Bluts oder der Farbduplex­sonograpie (oder mit beiden Untersuchungen) abgesichert werden.

Behandlung

Behandlung des Low-Flow-Priapismus

Beim Low-Flow-Priapismus muss das in den Schwellkörpern gestaute, sauerstoffarme Blut so schnell wie möglich entfernt werden. Dies wird zunächst mit folgenden Maßnahmen versucht:

  1. Injektion einer gefäßwirksamen Substanz in die Schwellkörper

    Es wird Methylenblau oder eine sogenannte alpha-adrenerge Substanz (Etilefrin, Phenylephrin, Adrenalin, Noradrenalin) in die Schwellkörper gespritzt (Anheuser 2009, Burnett 2013). Damit will man erreichen, dass sich die glatte Schwellkörper­muskulatur zusammen­zieht, die Venen nicht mehr blockiert werden und das Blut abfließen kann. Wenn sich keine Wirkung zeigt, dann kann die Injektion im Abstand von 5 bis 10 Minuten mehrmals wiederholt werden.

  2. Absaugen des gestauten Blutes

    Mit einer Kanüle wird versucht, möglichst viel des gestauten Bluts aus den Schwellkörpern zu entfernen. Eventuell werden zusätzlich die Schwellkörper mit einer Kochsalz-Heparin-Lösung gespült.

Wenn diese Maßnahmen nicht wirken, dann muss operativ eine Verbindung ("Shunt") zwischen der Penisarterie und einer Vene hergestellt werden, damit das Blut abfließen kann. In der Regel wächst diese Verbindung im Lauf der Zeit wieder zu. Diese Operation kann in etwa 50% der Fälle zu dauerhaften Erektionsstörungen führen. Die Chancen für einen Erhalt der Erektionsfähigkeit sind mit kürzerer Dauer des Priapismus höher.

Behandlung des High-Flow-Priapismus

Ein High-Flow-Priapismus ist nicht oder nur wenig schmerzhaft und stellt keinen Notfall dar. Da außerdem die Erektion in rund zwei Dritteln der Fälle von alleine wieder verschwindet, wird der Patient zunächst nur beobachtet. Vom medizinischen Standpunkt ist ein Eingreifen auch nach Tagen und Wochen nicht erforderlich. Erst wenn dem Patienten die (nicht ausgeprägte) Erektion lästig wird, kann man versuchen, sie durch eine Embolisation zu behandeln. Das kann allerdings in rund 50% der Fälle zu einer erektilen Dysfunktion führen (Burnett 2013, Seite 192).

Behandlung des Intermittierenden Priapismus

Da bei einem intermittierenden Priapismus die Erektion in der Regel innerhalb von 3 bis 4 Stunden wieder verschwindet, ist keine Notfall-Behandlung erforderlich. Es ist aber wichtig, dass zeitnah die Ursache durch einen Facharzt gesucht und behandelt wird.

Weitere Informationen zum Thema

Medizinische Fachliteratur

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